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Title: Novelle
Author: Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Date of first publication: 1828
Edition used as base for this ebook:
   Wiesbaden: Insel-Verlag, 1955
   [Deutsche Erzhler, ausgewhlt und eingeleitet von 
   Hugo von Hofmannsthal (1874-1929); first edition 1912]
Date first posted: 2 October 2017
Date last updated: 2 October 2017
Project Gutenberg Canada ebook #1471

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Titre: Novelle
Auteur: Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Date de la premire publication: 1828
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Wiesbaden: Insel-Verlag, 1955
   [Deutsche Erzhler, ausgewhlt und eingeleitet von 
   Hugo von Hofmannsthal (1874-1929); premire dition 1912]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   2 Octobre 2017
Date de la dernire mise  jour:
   2 Octobre 2017
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 1471

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JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

_Novelle_


Ein dichter Herbstnebel verhllte noch in der Frhe die weiten Rume
des frstlichen Schlohofes, als man schon mehr oder weniger durch
den sich lichtenden Schleier die ganze Jgerei zu Pferde und zu Fu
durcheinander bewegt sah. Die eiligen Beschftigungen der nchsten
lieen sich erkennen: man verlngerte, man verkrzte die Steigbgel,
man reichte sich Bchse und Patrontschchen, man schob die Dachsranzen
zurecht, indes die Hunde ungeduldig am Riemen den Zurckhaltenden mit
fortzuschleppen drohten. Auch hie und da gebrdete ein Pferd sich
mutiger, von feuriger Natur getrieben oder von dem Sporn des Reiters
angeregt, der selbst hier in der Halbhelle eine gewisse Eitelkeit
sich zu zeigen nicht verleugnen konnte. Alle jedoch warteten auf den
Frsten, der, von seiner jungen Gemahlin Abschied nehmend, allzulange
zauderte.

Erst vor kurzer Zeit zusammen getraut, empfanden sie schon das Glck
bereinstimmender Gemter; beide waren von ttig-lebhaftem Charakter,
eines nahm gern an des andern Neigungen und Bestrebungen Anteil. Des
Frsten Vater hatte noch den Zeitpunkt erlebt und genutzt, wo es
deutlich wurde, da alle Staatsglieder in gleicher Betriebsamkeit ihre
Tage zubringen, in gleichem Wirken und Schaffen, jeder nach seiner Art,
erst gewinnen und dann genieen sollte.

Wie sehr dieses gelungen war, lie sich in diesen Tagen gewahr werden,
als eben der Hauptmarkt sich versammelte, den man gar wohl eine Messe
nennen konnte. Der Frst hatte seine Gemahlin gestern durch das
Gewimmel der aufgehuften Waren zu Pferde gefhrt und sie bemerken
lassen, wie gerade hier das Gebirgsland mit dem flachen Lande einen
glcklichen Umtausch treffe; er wute sie an Ort und Stelle auf die
Betriebsamkeit seines Lnderkreises aufmerksam zu machen.

Wenn sich nun der Frst fast ausschlielich in diesen Tagen mit den
Seinigen ber diese zudringenden Gegenstnde unterhielt, auch besonders
mit dem Finanzminister anhaltend arbeitete, so behielt doch auch der
Landjgermeister sein Recht, auf dessen Vorstellung es unmglich war,
der Versuchung zu widerstehen, an diesen gnstigen Herbsttagen eine
schon verschobene Jagd zu unternehmen, sich selbst und den vielen
angekommenen Fremden ein eignes und seltnes Fest zu erffnen.

Die Frstin blieb ungern zurck; man hatte sich vorgenommen, weit in
das Gebirg hineinzudringen, um die friedlichen Bewohner der dortigen
Wlder durch einen unerwarteten Kriegszug zu beunruhigen.

Scheidend versumte der Gemahl nicht, einen Spazierritt vorzuschlagen,
den sie im Geleit Friedrichs, des frstlichen Oheims, unternehmen
sollte; auch lasse ich, sagte er, dir unsern Honorio, als Stall-
und Hofjunker, der fr alles sorgen wird; und im Gefolg dieser Worte
gab er im Hinabsteigen einem wohlgebildeten jungen Mann die ntigen
Auftrge, verschwand sodann bald mit Gsten und Gefolge.

Die Frstin, die ihrem Gemahl noch in den Schlohof hinab mit dem
Schnupftuch nachgewinkt hatte, begab sich in die hintern Zimmer, welche
nach dem Gebirg eine freie Aussicht lieen, die um desto schner war,
als das Schlo selbst von dem Flusse herauf in einiger Hhe stand und
so vor- als hinterwrts mannigfaltige bedeutende Ansichten gewhrte.
Sie fand das treffliche Teleskop noch in der Stellung, wo man es
gestern abend gelassen hatte, als man, ber Busch, Berg und Waldgipfel
die hohen Ruinen der uralten Stammburg betrachtend, sich unterhielt,
die in der Abendbeleuchtung merkwrdig hervortraten, indem alsdann die
grten Licht- und Schattenmassen den deutlichsten Begriff von einem
so ansehnlichen Denkmal alter Zeit verleihen konnten. Auch zeigte
sich heute frh durch die annhernden Glser recht auffallend die
herbstliche Frbung jener mannigfaltigen Baumarten, die zwischen dem
Gemuer ungehindert und ungestrt durch lange Jahre emporstrebten. Die
schne Dame richtete jedoch das Fernrohr etwas tiefer nach einer den
steinigen Flche, ber welche der Jagdzug weggehen mute; sie erharrte
den Augenblick mit Geduld und betrog sich nicht: denn bei der Klarheit
und Vergrerungsfhigkeit des Instrumentes erkannten ihre glnzenden
Augen deutlich den Frsten und den Oberstallmeister; ja sie enthielt
sich nicht, abermals mit dem Schnupftuche zu winken, als sie ein
augenblickliches Stillhalten und Rckblicken mehr vermutete als gewahr
ward.

Frst Oheim, Friedrich mit Namen, trat sodann, angemeldet, mit seinem
Zeichner herein, der ein groes Portefeuille unter dem Arm trug. Liebe
Cousine, sagte der alte rstige Herr, hier legen wir die Ansichten
der Stammburg vor, gezeichnet, um von verschiedenen Seiten anschaulich
zu machen, wie der mchtige Trutz- und Schutzbau von alten Zeiten her
dem Jahr und seiner Witterung sich entgegenstemmte und wie doch hie und
da sein Gemuer weichen, da und dort in wste Ruinen zusammenstrzen
mute. Nun haben wir manches getan, um diese Wildnis zugnglicher zu
machen, denn mehr bedarf es nicht, um jeden Wanderer, jeden Besuchenden
in Erstaunen zu setzen, zu entzcken.

Indem nun der Frst die einzelnen Bltter deutete, sprach er weiter:
Hier, wo man, den Hohlweg durch die uern Ringmauern heraufkommend,
vor die eigentliche Burg gelangt, steigt uns ein Felsen entgegen von
den festesten des ganzen Gebirgs; hierauf nun steht gemauert ein Turm,
doch niemand wte zu sagen, wo die Natur aufhrt, Kunst und Handwerk
aber anfangen. Ferner sieht man seitwrts Mauern angeschlossen und
Zwinger terrassenmig herab sich erstreckend. Doch ich sage nicht
recht, denn es ist eigentlich ein Wald, der diesen uralten Gipfel
umgibt; seit hundertundfunfzig Jahren hat keine Axt hier geklungen, und
berall sind die mchtigsten Stmme emporgewachsen; wo Ihr Euch an
den Mauern andrngt, stellt sich der glatte Ahorn, die rauhe Eiche,
die schlanke Fichte mit Schaft und Wurzeln entgegen; um diese mssen
wir uns herumschlngeln und unsere Fupfade verstndig fhren. Seht
nur, wie trefflich unser Meister dies Charakteristische auf dem Papier
ausgedrckt hat, wie kenntlich die verschiedenen Stamm- und Wurzelarten
zwischen das Mauerwerk verflochten und die mchtigen ste durch die
Lcken durchgeschlungen sind! Es ist eine Wildnis wie keine, ein
zufllig-einziges Lokal, wo die alten Spuren lngst verschwundener
Menschenkraft mit der ewig lebenden und fortwirkenden Natur sich in
dem ernstesten Streit erblicken lassen.

Ein anderes Blatt aber vorlegend, fuhr er fort: Was sagt Ihr nun
zum Schlohofe, der, durch das Zusammenstrzen des alten Torturmes
unzugnglich, seit undenklichen Jahren von niemand betreten ward? Wir
suchten ihm von der Seite beizukommen, haben Mauern durchbrochen,
Gewlbe gesprengt und so einen bequemen, aber geheimen Weg bereitet.
Inwendig bedurft es keines Aufrumens, hier findet sich ein flacher
Felsgipfel von der Natur geplttet, aber doch haben mchtige Bume hie
und da zu wurzeln Glck und Gelegenheit gefunden; sie sind sachte,
aber entschieden aufgewachsen, nun erstrecken sie ihre ste bis in
die Galerien hinein, auf denen der Ritter sonst auf und ab schritt;
ja durch Tren durch und Fenster in die gewlbten Sle, aus denen
wir sie nicht vertreiben wollen; sie sind eben Herr geworden und
mgens bleiben. Tiefe Bltterschichten wegrumend, haben wir den
merkwrdigsten Platz geebnet gefunden, dessengleichen in der Welt
vielleicht nicht wieder zu sehen ist.

Nach allem diesem aber ist es immer noch bemerkenswert und an Ort
und Stelle zu beschauen, da auf den Stufen, die in den Hauptturm
hinauffhren, ein Ahorn Wurzel geschlagen und sich zu einem so
tchtigen Baume gebildet hat, da man nur mit Not daran vorbeidringen
kann, um die Zinne, der unbegrenzten Aussicht wegen, zu besteigen. Aber
auch hier verweilt man bequem im Schatten, denn dieser Baum ist es, der
sich ber das Ganze wunderbar hoch in die Luft hebt.

Danken wir also dem wackern Knstler, der uns so lblich in
verschiedenen Bildern von allem berzeugt, als wenn wir gegenwrtig
wren; er hat die schnsten Stunden des Tages und der Jahreszeit dazu
angewendet und sich wochenlang um diese Gegenstnde herumbewegt. In
dieser Ecke ist fr ihn und den Wchter, den wir ihm zugegeben, eine
kleine angenehme Wohnung eingerichtet. Sie sollten nicht glauben,
meine Beste, welch eine schne Aus- und Ansicht er ins Land, in Hof
und Gemuer sich dort bereitet hat. Nun aber, da alles so rein und
charakteristisch umrissen ist, wird er es hier unten mit Bequemlichkeit
ausfhren. Wir wollen mit diesen Bildern unsern Gartensaal zieren, und
niemand soll ber unsere regelmigen Parterre, Lauben und schattigen
Gnge seine Augen spielen lassen, der nicht wnschte, sich dort
oben in dem wirklichen Anschauen des Alten und Neuen, des Starren,
Unnachgiebigen, Unzerstrlichen und des Frischen, Schmiegsamen,
Unwiderstehlichen seine Betrachtungen anzustellen.

Honorio trat ein und meldete, die Pferde seien vorgefhrt; da sagte die
Frstin, zum Oheim gewendet: Reiten wir hinauf und lassen Sie mich in
der Wirklichkeit sehen, was Sie mir hier im Bilde zeigten. Seit ich
hier bin, hr ich von diesem Unternehmen und werde jetzt erst recht
verlangend, mit Augen zu sehen, was mir in der Erzhlung unmglich
schien und in der Nachbildung unwahrscheinlich bleibt. -- Noch nicht,
meine Liebe, versetzte der Frst, was Sie hier sahen, ist, was es
werden kann und wird; jetzt stockt noch manches im Beginnen; die Kunst
mu erst vollenden, wenn sie sich vor der Natur nicht schmen soll.
-- Und so reiten wir wenigstens hinaufwrts, und wr es nur bis an
den Fu; ich habe groe Lust, mich heute weit in der Welt umzusehen.
-- Ganz nach Ihrem Willen, versetzte der Frst. -- Lassen Sie uns
aber durch die Stadt reiten, fuhr die Dame fort, ber den groen
Marktplatz, wo eine zahllose Menge von Buden die Gestalt einer
kleinen Stadt, eines Feldlagers angenommen hat. Es ist, als wren die
Bedrfnisse und Beschftigungen smtlicher Familien des Landes umher,
nach auen gekehrt, in diesem Mittelpunkt versammelt, an das Tageslicht
gebracht worden; denn hier sieht der aufmerksame Beobachter alles,
was der Mensch leistet und bedarf; man bildet sich einen Augenblick
ein, es sei kein Geld ntig, jedes Geschft knne hier durch Tausch
abgetan werden; und so ist es auch im Grunde. Seitdem der Frst gestern
mir Anla zu diesen bersichten gegeben, ist es mir gar angenehm zu
denken, wie hier, wo Gebirg und flaches Land aneinandergrenzen, beide
so deutlich aussprechen, was sie brauchen und was sie wnschen. Wie
nun der Hochlnder das Holz seiner Wlder in hundert Formen umzubilden
wei, das Eisen zu einem jeden Gebrauch zu vermannigfaltigen, so kommen
jene drben mit den vielfltigsten Waren ihm entgegen, an denen man den
Stoff kaum unterscheiden und den Zweck oft nicht erkennen mag.

Ich wei, versetzte der Frst, da mein Neffe hierauf die grte
Aufmerksamkeit wendet; denn gerade zu dieser Jahreszeit kommt es
hauptschlich darauf an, da man mehr empfange als gebe; dies zu
bewirken, ist am Ende die Summe des ganzen Staatshaushaltes, so wie
der kleinsten huslichen Wirtschaft. Verzeihen Sie aber, meine Beste,
ich reite niemals gern durch Markt und Messe: bei jedem Schritt ist
man gehindert und aufgehalten, und dann flammt mir das ungeheure
Unglck wieder in die Einbildungskraft, das sich mir gleichsam in die
Augen eingebrannt, als ich eine solche Gter- und Warenbreite in Feuer
aufgehen sah. Ich hatte mich kaum...

Lassen Sie uns die schnen Stunden nicht versumen, fiel ihm die
Frstin ein, da der wrdige Mann sie schon einigemal mit ausfhrlicher
Beschreibung jenes Unheils gengstigt hatte, wie er sich nmlich, auf
einer groen Reise begriffen, abends im besten Wirtshause auf dem
Markte, der eben von einer Hauptmesse wimmelte, hchst ermdet zu Bette
gelegt und nachts durch Geschrei und Flammen, die sich gegen seine
Wohnung wlzten, grlich aufgeweckt worden.

Die Frstin eilte, das Lieblingspferd zu besteigen, und fhrte,
statt zum Hintertore bergauf, zum Vordertore bergunter ihren
widerwillig-bereiten Begleiter; denn wer wre nicht gern an ihrer
Seite geritten, wer wre ihr nicht gern gefolgt. Und so war auch
Honorio von der sonst so ersehnten Jagd willig zurckgeblieben, um ihr
ausschlielich dienstbar zu sein.

Wie vorauszusehen, durften sie auf dem Markte nur Schritt vor Schritt
reiten; aber die schne Liebenswrdige erheiterte jeden Aufenthalt
durch eine geistreiche Bemerkung. Ich wiederhole, sagte sie, meine
gestrige Lektion, da denn doch die Notwendigkeit unsere Geduld prfen
will. Und wirklich drngte sich die ganze Menschenmasse dergestalt an
die Reitenden heran, da sie ihren Weg nur langsam fortsetzen konnten.
Das Volk schaute mit Freuden die junge Dame, und auf so viel lchelnden
Gesichtern zeigte sich das entschiedene Behagen, zu sehen, da die
erste Frau im Lande auch die schnste und anmutigste sei.

Untereinandergemischt standen Bergbewohner, die zwischen Felsen,
Fichten und Fhren ihre stillen Wohnsitze hegten, Flachlnder von
Hgeln, Auen und Wiesen her, Gewerbsleute der kleinen Stdte und was
sich alles versammelt hatte. Nach einem ruhigen berblick bemerkte die
Frstin ihrem Begleiter, wie alle diese, woher sie auch seien, mehr
Stoff als ntig zu ihren Kleidern genommen, mehr Tuch und Leinwand,
mehr Band zum Besatz. Ist es doch, als ob die Weiber nicht brauschig
und die Mnner nicht pausig genug sich gefallen knnten.

Wir wollen ihnen das ja lassen, versetzte der Oheim; wo auch der
Mensch seinen berflu hinwendet, ihm ist wohl dabei, am wohlsten, wenn
er sich damit schmckt und aufputzt. Die schne Dame winkte Beifall.

So waren sie nach und nach auf einen freien Platz gelangt, der zur
Vorstadt hinfhrte, wo am Ende vieler kleinen Buden und Kramstnde ein
greres Brettergebude in die Augen fiel, das sie kaum erblickten, als
ein ohrzerreiendes Gebrlle ihnen entgegentnte. Die Ftterungsstunde
der dort zur Schau stehenden wilden Tiere schien herangekommen; der
Lwe lie seine Wald- und Wstenstimme aufs krftigste hren, die
Pferde schauderten, und man konnte der Bemerkung nicht entgehen, wie
in dem friedlichen Wesen und Wirken der gebildeten Welt der Knig der
Einde sich so furchtbar verkndige. Zur Bude nher gelangt, durften
sie die bunten kolossalen Gemlde nicht bersehen, die mit heftigen
Farben und krftigen Bildern jene fremden Tiere darstellten, welche
der friedliche Staatsbrger zu schauen unberwindliche Lust empfinden
sollte. Der grimmig ungeheure Tiger sprang auf einen Mohren los, im
Begriff, ihn zu zerreien; ein Lwe stand ernsthaft majesttisch,
als wenn er keine Beute seiner wrdig vor sich she; andere
wunderliche bunte Geschpfe verdienten neben diesen mchtigen weniger
Aufmerksamkeit.

Wir wollen, sagte die Frstin, bei unserer Rckkehr doch absteigen
und die seltenen Gste nher betrachten. -- Es ist wunderbar,
versetzte der Frst, da der Mensch durch Schreckliches immer
aufgeregt sein will. Drinnen liegt der Tiger ganz ruhig in seinem
Kerker, und hier mu er grimmig auf einen Mohren losfahren, damit man
glaube, dergleichen inwendig ebenfalls zu sehen; es ist an Mord und
Totschlag noch nicht genug, an Brand und Untergang; die Bnkelsnger
mssen es an jeder Ecke wiederholen. Die guten Menschen wollen
eingeschchtert sein, um hinterdrein erst recht zu fhlen, wie schn
und lblich es sei, frei Atem zu holen.

Was denn aber auch Bngliches von solchen Schreckensbildern mochte
brig geblieben sein, alles und jedes war sogleich ausgelscht, als
man, zum Tore hinausgelangt, in die heiterste Gegend eintrat. Der Weg
fhrte zuerst am Flusse hinan, an einem zwar noch schmalen, nur leichte
Khne tragenden Wasser, das aber nach und nach als grter Strom seinen
Namen behalten und ferne Lnder beleben sollte. Dann ging es weiter
durch wohlversorgte Frucht- und Lustgrten sachte hinaufwrts, und man
sah sich nach und nach in der aufgetanen wohlbewohnten Gegend um, bis
erst ein Busch, sodann ein Wldchen die Gesellschaft aufnahm und die
anmutigsten rtlichkeiten ihren Blick begrenzten und erquickten. Ein
aufwrts leitendes Wiesental, erst vor kurzem zum zweiten Male gemht,
sammethnlich anzusehen, von einer oberwrts lebhaft auf einmal reich
entspringenden Quelle gewssert, empfing sie freundlich, und so zogen
sie einem hhern freieren Standpunkt entgegen, den sie, aus dem Walde
sich bewegend, nach einem lebhaften Stieg erreichten, alsdann aber
vor sich noch in bedeutender Entfernung ber neuen Baumgruppen das
alte Schlo, den Zielpunkt ihrer Wallfahrt, als Fels- und Waldgipfel
hervorragen sahen. Rckwrts aber -- denn niemals gelangte man hierher,
ohne sich umzukehren -- erblickten sie durch zufllige Lcken der hohen
Bume das frstliche Schlo links, von der Morgensonne beleuchtet;
den wohlgebauten hhern Teil der Stadt, von leichten Rauchwolken
gedmpft, und so fort nach der Rechten zu die untere Stadt, den Flu in
einigen Krmmungen, mit seinen Wiesen und Mhlen; gegenber eine weite
nahrhafte Gegend.

Nachdem sie sich an dem Anblick ersttigt, oder vielmehr, wie es uns
bei dem Umblick auf so hoher Stelle zu geschehen pflegt, erst recht
verlangend geworden nach einer weitern, weniger begrenzten Aussicht,
ritten sie eine steinige breite Flche hinan, wo ihnen die mchtige
Ruine als ein grngekrnter Gipfel entgegenstand, wenig alte Bume tief
unten um seinen Fu; sie ritten hindurch, und so fanden sie sich gerade
vor der steilsten, unzugnglichsten Seite. Mchtige Felsen standen von
Urzeiten her, jedem Wechsel unangetastet, fest, wohlgegrndet voran,
und so trmte sichs aufwrts; das dazwischen Herabgestrzte lag in
mchtigen Platten und Trmmern unregelmig bereinander und schien
dem Khnsten jeden Angriff zu verbieten. Aber das Steile, Jhe scheint
der Jugend zuzusagen; dies zu unternehmen, zu erstrmen, zu erobern,
ist jungen Gliedern ein Genu. Die Frstin bezeigte Neigung zu einem
Versuch, Honorio war bei der Hand, der frstliche Oheim, wenn schon
bequemer, lie sichs gefallen und wollte sich doch auch nicht unkrftig
zeigen; die Pferde sollten am Fu unter den Bumen halten, und man
wollte bis zu einem gewissen Punkte gelangen, wo ein vorstehender
mchtiger Fels einen Flchenraum darbot, von wo man eine Aussicht
hatte, die zwar schon in den Blick des Vogels berging, aber sich doch
noch malerisch genug hintereinanderschob.

Die Sonne, beinahe auf ihrer hchsten Stelle, verlieh die klarste
Beleuchtung: das frstliche Schlo mit seinen Teilen, Hauptgebuden,
Flgeln, Kuppeln und Trmen erschien gar stattlich; die obere Stadt
in ihrer vlligen Ausdehnung; auch in die untere konnte man bequem
hineinsehen, ja durch das Fernrohr auf dem Markte sogar die Buden
unterscheiden. Honorio war immer gewohnt, ein so frderliches Werkzeug
berzuschnallen; man schaute den Flu hinauf und hinab, diesseits
das bergartig terrassenweis unterbrochene, jenseits das aufgleitende
flache und in migen Hgeln abwechselnde fruchtbare Land; Ortschaften
unzhlige: denn es war lngst herkmmlich, ber die Zahl zu streiten,
wieviel man deren von hier oben gewahr werde.

ber die groe Weite lag eine heitere Stille, wie es am Mittag zu sein
pflegt, wo die Alten sagten, Pan schlafe und alle Natur halte den Atem
an, um ihn nicht aufzuwecken.

Es ist nicht das erste Mal, sagte die Frstin, da ich auf so hoher
weitumschauender Stelle die Betrachtung mache, wie doch die klare
Natur so reinlich und friedlich aussieht und den Eindruck verleiht,
als wenn gar nichts Widerwrtiges in der Welt sein knne; und wenn
man denn wieder in die Menschenwohnung zurckkehrt, sie sei hoch oder
niedrig, weit oder eng, so gibts immer etwas zu kmpfen, zu streiten,
zu schlichten und zurechtzulegen. -- Honorio, der indessen durch das
Sehrohr nach der Stadt geschaut hatte, rief: Seht hin! seht hin!
auf dem Markte fngt es an zu brennen. Sie sahen hin und bemerkten
wenigen Rauch, die Flamme dmpfte der Tag. Das Feuer greift weiter
um sich! rief man, immer durch die Glser schauend; auch wurde das
Unheil den guten unbewaffneten Augen der Frstin bemerklich; von Zeit
zu Zeit erkannte man eine rote Flammenglut, der Dampf stieg empor,
und Frst Oheim sprach: Lat uns zurckkehren, das ist nicht gut; ich
frchtete immer, das Unglck zum zweiten Male zu erleben. Als sie,
herabgekommen, den Pferden wieder zugingen, sagte die Frstin zu dem
alten Herrn: Reiten Sie hinein, eilig, aber nicht ohne den Reitknecht,
lassen Sie mir Honorio, wir folgen sogleich. Der Oheim fhlte das
Vernnftige, ja das Notwendige dieser Worte und ritt so eilig, als der
Boden erlaubte, den wsten steinigen Hang hinunter.

Als die Frstin aufsa, sagte Honorio: Reiten Euer Durchlaucht,
ich bitte, langsam! In der Stadt wie auf dem Schlo sind die
Feueranstalten in bester Ordnung, man wird sich durch einen so
unerwartet auerordentlichen Fall nicht irre machen lassen. Hier aber
ist ein bser Boden, kleine Steine und kurzes Gras, schnelles Reiten
ist unsicher; ohnehin, bis wir hineinkommen, wird das Feuer schon
nieder sein. Die Frstin glaubte nicht daran, sie sah den Rauch sich
verbreiten, sie glaubte einen aufflammenden Blitz gesehen, einen Schlag
gehrt zu haben, und nun bewegten sich in ihrer Einbildungskraft alle
die Schreckbilder, welche des trefflichen Oheims wiederholte Erzhlung
von dem erlebten Jahrmarktsbrande leider nur zu tief eingesenkt hatte.

Frchterlich wohl war jener Fall, berraschend und eindringlich
genug, um zeitlebens eine Ahnung und Vorstellung wiederkehrenden
Unglcks ngstlich zurckzulassen, als zur Nachtzeit auf dem groen
budenreichen Marktraum ein pltzlicher Brand Laden auf Laden ergriffen
hatte, ehe noch die in und an diesen leichten Htten Schlafenden aus
tiefen Trumen geschttelt wurden; der Frst selbst als ein ermdet
angelangter, erst eingeschlafener Fremder ans Fenster sprang, alles
frchterlich erleuchtet sah, Flamme nach Flamme, rechts und links
sich berspringend, ihm entgegenzngelte. Die Huser des Marktes, vom
Widerschein gertet, schienen schon zu glhen, drohend, sich jeden
Augenblick zu entznden und in Flammen aufzuschlagen; unten wtete das
Element unaufhaltsam, die Bretter prasselten, die Latten knackten,
Leinwand flog auf, und ihre dstern, an den Enden flammend ausgezackten
Fetzen trieben in der Hhe sich umher, als wenn die bsen Geister, in
ihrem Elemente um- und umgestaltet, sich mutwillig tanzend verzehren
und da und dort aus den Gluten wieder auftauchen wollten. Dann aber
mit kreischendem Geheul rettete jeder, was zur Hand lag; Diener und
Knechte mit den Herren bemhten sich, von Flammen ergriffene Ballen
fortzuschleppen, von dem brennenden Gestell noch einiges wegzureien,
um es in die Kiste zu packen, die sie denn doch zuletzt den eilenden
Flammen zum Raube lassen muten. Wie mancher wnschte nur einen
Augenblick Stillstand dem heranprasselnden Feuer, nach der Mglichkeit
einer Besinnung sich umsehend, und er war mit aller seiner Habe schon
ergriffen; an der einen Seite brannte, glhte schon, was an der andern
noch in finsterer Nacht stand. Hartnckige Charaktere, willensstarke
Menschen widersetzten sich grimmig dem grimmigen Feinde und retteten
manches, mit Verlust ihrer Augenbraunen und Haare. Leider nun erneuerte
sich vor dem schnen Geiste der Frstin der wste Wirrwarr, nun schien
der heitere morgendliche Gesichtskreis umnebelt, ihre Augen verdstert,
Wald und Wiese hatten einen wunderbaren bnglichen Anschein.

In das friedliche Tal einreitend, seiner labenden Khle nicht achtend,
waren sie kaum einige Schritte von der lebhaften Quelle des nahe
flieenden Baches herab, als die Frstin ganz unten im Gebsche des
Wiesentals etwas Seltsames erblickte, das sie alsobald fr den Tiger
erkannte; heranspringend, wie sie ihn vor kurzem gemalt gesehen, kam
er entgegen; und dieses Bild zu den furchtbaren Bildern, die sie
soeben beschftigten, machte den wundersamsten Eindruck. Flieht!
gndige Frau, rief Honorio, flieht! Sie wandte das Pferd um, dem
steilen Berg zu, wo sie herabgekommen waren. Der Jngling aber, dem
Untier entgegen, zog die Pistole und scho, als er sich nahe genug
glaubte; leider jedoch war gefehlt, der Tiger sprang seitwrts, das
Pferd stutzte, das ergrimmte Tier aber verfolgte seinen Weg, aufwrts
unmittelbar der Frstin nach. Sie sprengte, was das Pferd vermochte,
die steile, steinige Strecke hinan, kaum frchtend, da ein zartes
Geschpf, solcher Anstrengung ungewohnt, sie nicht aushalten werde.
Es bernahm sich, von der bedrngten Reiterin angeregt, stie am
kleinen Gerlle des Hanges an und wieder an und strzte zuletzt nach
heftigem Bestreben kraftlos zu Boden. Die schne Dame, entschlossen
und gewandt, verfehlte nicht, sich strack auf ihre Fe zu stellen,
auch das Pferd richtete sich auf; aber der Tiger nahte schon, obgleich
nicht mit heftiger Schnelle; der ungleiche Boden, die scharfen Steine
schienen seinen Antrieb zu hindern, und nur da Honorio unmittelbar
hinter ihm herflog, neben ihm gemigt heraufritt, schien seine Kraft
aufs neue anzuspornen und zu reizen. Beide Renner erreichten zugleich
den Ort, wo die Frstin am Pferde stand; der Ritter beugte sich herab,
scho und traf mit der zweiten Pistole das Ungeheuer durch den Kopf,
da es sogleich niederstrzte und ausgestreckt in seiner Lnge erst
recht die Macht und Furchtbarkeit sehen lie, von der nur noch das
Krperliche briggeblieben dalag. Honorio war vom Pferde gesprungen
und kniete schon auf dem Tiere, dmpfte seine letzten Bewegungen und
hielt den gezogenen Hirschfnger in der rechten Hand. Der Jngling war
schn, er war herangesprengt, wie ihn die Frstin oft im Lanzen- und
Ringelspiel gesehen hatte. Ebenso traf in der Reitbahn seine Kugel im
Vorbeisprengen den Trkenkopf auf dem Pfahl gerade unter dem Turban in
die Stirne; ebenso spiete er, flchtig heransprengend, mit dem blanken
Sbel das Mohrenhaupt vom Boden auf. In allen solchen Knsten war er
gewandt und glcklich, hier kam beides zustatten.

Gebt ihm den Rest, sagte die Frstin, ich frchte, er beschdigt
Euch noch mit den Krallen. -- Verzeiht! erwiderte der Jngling, er
ist schon tot genug, und ich mag das Fell nicht verderben, das nchsten
Winter auf Eurem Schlitten glnzen soll. -- Frevelt nicht! sagte die
Frstin; alles, was von Frmmigkeit im tiefen Herzen wohnt, entfaltet
sich in solchem Augenblick. -- Auch ich, rief Honorio, war nicht
frmmer als jetzt eben, deshalb aber denk ich ans Freudigste, ich
blicke dieses Fell nur an, wie es Euch zur Lust begleiten kann. --
Es wrde mich immer an diesen schrecklichen Augenblick erinnern,
versetzte sie. -- Ist es doch, erwiderte der Jngling mit glhender
Wange, ein unschuldigeres Triumphzeichen, als wenn die Waffen
erschlagener Feinde vor dem Sieger her zur Schau getragen wurden.
-- Ich werde mich an Eure Khnheit und Gewandtheit dabei erinnern
und darf nicht hinzusetzen, da Ihr auf meinen Dank und auf die Gnade
des Frsten lebenslnglich rechnen knnt. Aber steht auf; schon ist
kein Leben mehr im Tiere, bedenken wir das weitere, vor allen Dingen
steht auf! -- Da ich nun einmal kniee, versetzte der Jngling, da
ich mich in einer Stellung befinde, die mir auf jede andere Weise
untersagt wre, so lat mich bitten, von der Gunst, von der Gnade, die
Ihr mir zuwendet, in diesem Augenblick versichert zu werden. Ich habe
schon so oft Euren hohen Gemahl gebeten um Urlaub und Vergnstigung
einer weitern Reise. Wer das Glck hat, an Eurer Tafel zu sitzen, wen
Ihr beehrt, Eure Gesellschaft unterhalten zu drfen, der mu die Welt
gesehen haben. Reisende strmen von allen Orten her, und wenn von einer
Stadt, von einem wichtigen Punkte irgendeines Weltteils gesprochen
wird, ergeht an den Eurigen jedesmal die Frage, ob er daselbst gewesen
sei. Niemanden traut man Verstand zu, als wer das alles gesehen hat; es
ist, als wenn man sich nur fr andere zu unterrichten htte.

Steht auf! wiederholte die Frstin, ich mchte nicht gern gegen
die berzeugung meines Gemahls irgend etwas wnschen und bitten;
allein, wenn ich nicht irre, so ist die Ursache, warum er Euch bisher
zurckhielt, bald gehoben. Seine Absicht war, Euch zum selbstndigen
Edelmann herangereift zu sehen, der sich und ihm auch auswrts Ehre
machte wie bisher am Hofe; und ich dchte, Eure Tat wre ein so
empfehlender Reisepa, als ein junger Mann nur in die Welt mitnehmen
kann.

Da anstatt einer jugendlichen Freude eine gewisse Trauer ber sein
Gesicht zog, hatte die Frstin nicht Zeit zu bemerken, noch er, seiner
Empfindung Raum zu geben, denn hastig den Berg herauf, einen Knaben
an der Hand, kam eine Frau, geradezu auf die Gruppe los, die wir
kennen; und kaum war Honorio, sich besinnend, aufgestanden, als sie
sich heulend und schreiend ber den Leichnam herwarf und an dieser
Handlung, sowie an einer, obgleich reinlich anstndigen, doch bunten
und seltsamen Kleidung sogleich erraten lie, sie sei die Meisterin
und Wrterin dieses dahingestreckten Geschpfes, wie denn der
schwarzaugige, schwarzlockige Knabe, der eine Flte in der Hand hielt,
gleich der Mutter weinend, weniger heftig, aber tief gerhrt, neben ihr
knieete.

Den gewaltsamen Ausbrchen der Leidenschaft dieses unglcklichen Weibes
folgte, zwar unterbrochen stoweise, ein Strom von Worten, wie ein Bach
sich in Abstzen von Felsen zu Felsen strzt. Eine natrliche Sprache,
kurz und abgebrochen, machte sich eindringlich und rhrend; vergebens
wrde man sie in unsern Mundarten bersetzen wollen; den ungefhren
Inhalt drfen wir nicht verhehlen. Sie haben dich ermordet, armes
Tier! ermordet ohne Not! Du warst zahm und httest dich gern ruhig
niedergelassen und auf uns gewartet; denn deine Fuballen schmerzten
dich, und deine Krallen hatten keine Kraft mehr! Die heie Sonne fehlte
dir, sie zu reifen. Du warst der Schnste deinesgleichen; wer hat je
einen kniglichen Tiger so herrlich ausgestreckt im Schlafe gesehen,
wie du nun hier liegst, tot, um nicht wieder aufzustehen. Wenn du des
Morgens aufwachtest beim frhen Tagschein und den Rachen aufsperrtest,
ausstreckend die rote Zunge, so schienst du uns zu lcheln, und, wenn
schon brllend, nahmst du doch spielend dein Futter aus den Hnden
einer Frau, von den Fingern eines Kindes! Wie lange begleiteten wir
dich auf deinen Fahrten, wie lange war deine Gesellschaft uns wichtig
und fruchtbar! Uns! uns ganz eigentlich kam die Speise von den Fressern
und se Labung von den Starken. So wird es nicht mehr sein! Wehe,
wehe!

Sie hatte nicht ausgeklagt, als ber die mittlere Hhe des Bergs am
Schlosse herab Reiter heransprengten, die alsobald fr das Jagdgefolge
des Frsten erkannt wurden, er selbst voran. Sie hatten, in den
hintern Gebirgen jagend, die Brandwolken aufsteigen sehen und durch
Tler und Schluchten, wie auf gewaltsam hetzender Jagd, den geraden
Weg nach diesem traurigen Zeichen genommen. ber die steinige Ble
einhersprengend, stutzten und starrten sie, nun die unerwartete Gruppe
gewahr werdend, die sich auf der leeren Flche merkwrdig auszeichnete.
Nach dem ersten Erkennen verstummte man, und nach einigem Erholen ward,
was der Anblick nicht selbst ergab, mit wenigen Worten erlutert. So
stand der Frst vor dem seltsamen unerhrten Ereignis, einen Kreis
umher von Reitern und Nacheilenden zu Fue. Unschlssig war man nicht,
was zu tun sei; anzuordnen, auszufhren war der Frst beschftigt,
als ein Mann sich in den Kreis drngte, gro von Gestalt, bunt und
wunderlich gekleidet wie Frau und Kind. Und nun gab die Familie
zusammen Schmerz und berraschung zu erkennen. Der Mann aber, gefat,
stand in ehrfurchtsvoller Entfernung vor dem Frsten und sagte: Es
ist nicht Klagenszeit; ach, mein Herr und mchtiger Jger, auch der
Lwe ist los, auch hier nach dem Gebirg ist er hin, aber schont ihn,
habt Barmherzigkeit, da er nicht umkomme wie dies gute Tier. Der
Lwe? sagte der Frst, hast du seine Spur? -- Ja, Herr! Ein Bauer
dort unten, der sich ohne Not auf einen Baum gerettet hatte, wies
mich weiter hier links hinauf, aber ich sah den groen Trupp Menschen
und Pferde vor mir, neugierig und hlfsbedrftig eilt ich hierher.
-- Also, beorderte der Frst, mu die Jagd sich auf diese Seite
ziehen; ihr ladet eure Gewehre, geht sachte zu Werk, es ist kein
Unglck, wenn ihr ihn in die tiefen Wlder treibt; aber am Ende, guter
Mann, werden wir Euer Geschpf nicht schonen knnen; warum wart Ihr
unvorsichtig genug, sie entkommen zu lassen? -- Das Feuer brach aus,
versetzte jener, wir hielten uns still und gespannt, es verbreitete
sich schnell, aber fern von uns; wir hatten Wasser genug zu unserer
Verteidigung, aber ein Pulverschlag flog auf und warf die Brnde bis an
uns heran, ber uns weg; wir bereilten uns und sind nun unglckliche
Leute.

Noch war der Frst mit Anordnungen beschftigt, aber einen Augenblick
schien alles zu stocken, als oben vom alten Schlo herab eilig ein Mann
heranspringend gesehen ward, den man bald fr den angestellten Wchter
erkannte, der die Werksttte des Malers bewachte, indem er darin
seine Wohnung nahm und die Arbeiter beaufsichtigte. Er kam auer Atem
springend, doch hatte er bald mit wenigen Worten angezeigt: oben hinter
der hhern Ringmauer habe sich der Lwe im Sonnenschein gelagert,
am Fue einer hundertjhrigen Buche, und verhalte sich ganz ruhig.
rgerlich aber schlo der Mann: Warum habe ich gestern meine Bchse in
die Stadt getragen, um sie ausputzen zu lassen! Htte ich sie bei der
Hand gehabt, er wre nicht wieder aufgestanden; das Fell wre doch mein
gewesen, und ich htte mich dessen, wie billig, zeitlebens gebrstet.

Der Frst, dem seine militrischen Erfahrungen auch hier zustatten
kamen, da er sich wohl schon in Fllen gefunden hatte, wo von mehreren
Seiten unvermeidliches bel herandrohte, sagte hierauf: Welche
Brgschaft gebt Ihr mir, da, wenn wir Eures Lwen schonen, er nicht im
Lande unter den Meinigen Verderben anrichtet?

Hier diese Frau und dieses Kind, erwiderte der Vater hastig,
erbieten sich, ihn zu zhmen, ihn ruhig zu erhalten, bis ich den
beschlagenen Kasten heraufschaffe, da wir ihn denn unschdlich und
unbeschdigt wieder zurckbringen werden.

Der Knabe schien seine Flte versuchen zu wollen, ein Instrument von
der Art, das man sonst die sanfte, se Flte zu nennen pflegte; sie
war kurz geschnbelt wie die Pfeifen; wer es verstand, wute die
anmutigsten Tne daraus hervorzulocken. Indes hatte der Frst den
Wrtel gefragt, wie der Lwe hinaufgekommen. Dieser aber versetzte:
Durch den Hohlweg, der, auf beiden Seiten vermauert, von jeher der
einzige Zugang war und der einzige bleiben soll; zwei Fupfade, die
noch hinauffhrten, haben wir dergestalt entstellt, da niemand als
durch jenen ersten engen Anweg zu dem Zauberschlosse gelangen knne,
wozu es Frst Friedrichs Geist und Geschmack ausbilden will.

Nach einigem Nachdenken, wobei sich der Frst nach dem Kinde umsah,
das immer sanft gleichsam zu prludieren fortgefahren hatte, wendete
er sich zu Honorio und sagte: Du hast heute viel geleistet, vollende
das Tagwerk. Besetze den schmalen Weg, haltet eure Bchsen bereit,
aber schiet nicht eher, als bis ihr das Geschpf nicht sonst
zurckscheuchen knnt; allenfalls macht ein Feuer an, vor dem er sich
frchtet, wenn er herunter will. Mann und Frau mge fr das brige
stehen. Eilig schickte Honorio sich an, die Befehle zu vollfhren.

Das Kind verfolgte seine Melodie, die keine war, eine Tonfolge ohne
Gesetz, und vielleicht ebendeswegen so herzergreifend; die Umstehenden
schienen wie bezaubert von der Bewegung einer liederartigen Weise, als
der Vater mit anstndigem Enthusiasmus zu reden anfing und fortfuhr:

Gott hat dem Frsten Weisheit gegeben und zugleich die Erkenntnis, da
alle Gotteswerke weise sind, jedes nach seiner Art. Seht den Felsen,
wie er feststeht und sich nicht rhrt, der Witterung trotzt und dem
Sonnenschein; uralte Bume zieren sein Haupt, und so gekrnt schaut er
weit umher; strzt aber ein Teil herunter, so will es nicht bleiben,
was es war, es fllt zertrmmert in viele Stcke und bedeckt die Seite
des Hanges. Aber auch da wollen sie nicht verharren, mutwillig springen
sie tief hinab, der Bach nimmt sie auf, zum Flusse trgt er sie. Nicht
widerstehend, nicht widerspenstig, eckig, nein, glatt und abgerundet
gewinnen sie schneller ihren Weg und gelangen von Flu zu Flu, endlich
zum Ozean, wo die Riesen in Scharen daherziehen und in der Tiefe die
Zwerge wimmeln.

Doch wer preist den Ruhm des Herrn, den die Sterne loben von Ewigkeit
zu Ewigkeit! Warum seht ihr aber im Fernen umher? Betrachtet hier die
Biene! Noch spt im Herbst sammelt sie emsig und baut sich ein Haus,
winkel- und waagerecht, als Meister und Geselle; schaut die Ameise
da! sie kennt ihren Weg und verliert ihn nicht; sie baut sich eine
Wohnung aus Grashalmen, Erdbrslein und Kiefernadeln, sie baut es in
die Hhe und wlbet es zu; aber sie hat umsonst gearbeitet, denn das
Pferd stampft und scharrt alles auseinander; seht hin! es zertritt ihre
Balken und zerstreut ihre Planken, ungeduldig schnaubt es und kann
nicht rasten; denn der Herr hat das Ro zum Gesellen des Windes gemacht
und zum Gefhrten des Sturms, da es den Mann dahin trage, wohin er
will, und die Frau, wohin sie begehrt. Aber im Palmenwald trat er auf,
der Lwe, ernsten Schrittes durchzog er die Wste, dort herrscht er
ber alles Getier, und nichts widersteht ihm. Doch der Mensch wei
ihn zu zhmen, und das grausamste der Geschpfe hat Ehrfurcht vor dem
Ebenbilde Gottes, wornach auch die Engel gemacht sind, die dem Herrn
dienen und seinen Dienern. Denn in der Lwengrube scheute sich Daniel
nicht; er blieb fest und getrost, und das wilde Brllen unterbrach
nicht seinen frommen Gesang.

Diese mit dem Ausdruck eines natrlichen Enthusiasmus gehaltene Rede
begleitete das Kind hie und da mit anmutigen Tnen; als aber der Vater
geendigt hatte, fing es mit reiner Kehle, heller Stimme und geschickten
Lufen zu intonieren an, worauf der Vater die Flte ergriff, im
Einklang sich hren lie, das Kind aber sang:

  Aus den Gruben, hier im Graben
  Hr ich des Propheten Sang;
  Engel schweben, ihn zu laben,
  Wre da dem Guten bang?
  Lw und Lwin, hin und wider,
  Schmiegen sich um ihn heran;
  Ja, die sanften, frommen Lieder
  Habens ihnen angetan!

Der Vater fuhr fort, die Strophe mit der Flte zu begleiten, die Mutter
trat hie und da als zweite Stimme mit ein.

Eindringlich aber ganz besonders war, da das Kind die Zeilen der
Strophe nunmehr zu anderer Ordnung durcheinanderschob und dadurch, wo
nicht einen neuen Sinn hervorbrachte, doch das Gefhl in und durch sich
selbst aufregend erhhte.

  Engel schweben auf und nieder,
  Uns in Tnen zu erlaben,
  Welch ein himmlischer Gesang!
  In den Gruben, in dem Graben
  Wre da dem Kinde bang?
  Diese sanften, frommen Lieder
  Lassen Unglck nicht heran;
  Engel schweben hin und wider,
  Und so ist es schon getan.

Hierauf mit Kraft und Erhebung begannen alle drei:

  Denn der Ewge herrscht auf Erden,
  ber Meere herrscht sein Blick;
  Lwen sollen Lmmer werden,
  Und die Welle schwankt zurck;
  Blankes Schwert erstarrt im Hiebe,
  Glaub und Hoffnung sind erfllt;
  Wunderttig ist die Liebe,
  Die sich im Gebet enthllt.

Alles war still, hrte, horchte, und nur erst als die Tne verhallten,
konnte man den Eindruck bemerken und allenfalls beobachten. Alles war
wie beschwichtigt; jeder in seiner Art gerhrt. Der Frst, als wenn
er erst jetzt das Unheil bershe, das ihn vor kurzem bedroht hatte,
blickte nieder auf seine Gemahlin, die, an ihn gelehnt, sich nicht
versagte, das gestickte Tchlein hervorzuziehen und die Augen damit
zu bedecken. Es tat ihr wohl, die jugendliche Brust von dem Druck
erleichtert zu fhlen, mit dem die vorhergehenden Minuten sie belastet
hatten. Eine vollkommene Stille beherrschte die Menge, man schien die
Gefahren vergessen zu haben: unten den Brand und von oben das Erstehen
eines bedenklich ruhenden Lwen.

Durch einen Wink, die Pferde nher herbeizufhren, brachte der Frst
zuerst wieder in die Gruppe Bewegung, dann wendete er sich zu dem Weibe
und sagte: Ihr glaubt also, da Ihr den entsprungenen Lwen, wo Ihr
ihn antrefft, durch Euren Gesang, durch den Gesang dieses Kindes, mit
Hlfe dieser Fltentne beschwichtigen und ihn sodann unschdlich sowie
unbeschdigt in seinen Verschlu wieder zurckbringen knntet? Sie
bejahten es, versichernd und beteuernd; der Kastellan wurde ihnen als
Wegweiser zugegeben. Nun entfernte der Frst mit wenigen sich eiligst,
die Frstin folgte langsamer mit dem brigen Gefolge; Mutter aber und
Sohn stiegen, von dem Wrtel, der sich eines Gewehrs bemchtigt hatte,
begleitet, steiler gegen den Berg hinan.

Vor dem Eintritt in den Hohlweg, der den Zugang zu dem Schlo
erffnete, fanden sie die Jger beschftigt, drres Reisig zu hufen,
damit sie auf jeden Fall ein groes Feuer anznden knnten. -- Es ist
nicht Not, sagte die Frau, es wird ohne das alles in Gte geschehen.

Weiter hin, auf einem Mauerstcke sitzend, erblickten sie Honorio,
seine Doppelbchse in den Scho gelegt, auf einem Posten als wie zu
jedem Ereignis gefat. Aber die Herankommenden schien er kaum zu
bemerken, er sa wie in tiefen Gedanken versunken, er sah umher wie
zerstreut. Die Frau sprach ihn an mit Bitte, das Feuer nicht anznden
zu lassen, er schien jedoch ihrer Rede wenig Aufmerksamkeit zu
schenken; sie redete lebhaft fort und rief: Schner junger Mann, du
hast meinen Tiger erschlagen -- ich fluche dir nicht; schone meinen
Lwen, guter junger Mann -- ich segne dich.

Honorio schaute gerad vor sich hin, dorthin, wo die Sonne auf ihrer
Bahn sich zu senken begann. -- Du schaust nach Abend, rief die Frau,
du tust wohl daran, dort gibts viel zu tun; eile nur, sume nicht, du
wirst berwinden. Aber zuerst berwinde dich selbst. Hierauf schien er
zu lcheln, die Frau stieg weiter, konnte sich aber nicht enthalten,
nach dem Zurckbleibenden nochmals umzublicken; eine rtliche Sonne
berschien sein Gesicht, sie glaubte nie einen schnern Jngling
gesehen zu haben.

Wenn Euer Kind, sagte nunmehr der Wrtel, fltend und singend, wie
Ihr berzeugt seid, den Lwen anlocken und beruhigen kann, so werden
wir uns desselben sehr leicht bemeistern, da sich das gewaltige Tier
ganz nah an die durchbrochenen Gewlbe hingelagert hat, durch die
wir, da das Haupttor verschttet ist, einen Eingang in den Schlohof
gewonnen haben. Lockt ihn das Kind hinein, so kann ich die ffnung
mit leichter Mhe schlieen und der Knabe, wenn es ihm gut deucht,
durch eine der kleinen Wendeltreppen, die er in der Ecke sieht, dem
Tiere entschlpfen. Wir wollen uns verbergen, aber ich werde mich so
stellen, da meine Kugel jeden Augenblick dem Kinde zu Hlfe kommen
kann.

Die Umstnde sind alle nicht ntig; Gott und Kunst, Frmmigkeit
und Glck mssen das Beste tun. -- Es sei, versetzte der Wrtel,
aber ich kenne meine Pflichten. Erst fhr ich Euch durch einen
beschwerlichen Stieg auf das Gemuer hinauf, gerade dem Eingang
gegenber, den ich erwhnt habe; das Kind mag hinabsteigen, gleichsam
in die Arena des Schauspiels, und das besnftigte Tier dort
hereinlocken.

Das geschah; Wrtel und Mutter sahen versteckt von oben herab, wie
das Kind die Wendeltreppen hinunter in dem klaren Hofraum sich zeigte
und in der dstern ffnung gegenber verschwand, aber sogleich seinen
Fltenton hren lie, der sich nach und nach verlor und endlich
verstummte. Die Pause war ahnungsvoll genug, den alten, mit Gefahr
bekannten Jger beengte der seltene menschliche Fall. Er sagte sich,
da er lieber persnlich dem gefhrlichen Tiere entgegenginge; die
Mutter jedoch, mit heiterm Gesicht, bergebogen horchend, lie nicht
die mindeste Unruhe bemerken.

Endlich hrte man die Flte wieder, das Kind trat aus der Hhle hervor
mit glnzend befriedigten Augen, der Lwe hinter ihm drein, aber
langsam und, wie es schien, mit einiger Beschwerde. Er zeigte hie und
da Lust, sich niederzulegen, doch der Knabe fhrte ihn im Halbkreise
durch die wenig entbltterten, buntbelaubten Bume, bis er sich endlich
in den letzten Strahlen der Sonne, die sie durch eine Ruinenlcke
hereinsandte, wie verklrt niedersetzte und sein beschwichtigendes
Lied abermals begann, dessen Wiederholung wir uns auch nicht entziehen
knnen.

  Aus den Gruben, hier im Graben
  Hr ich des Propheten Sang;
  Engel schweben, ihn zu laben,
  Wre da dem Guten bang?
  Lw und Lwin, hin und wider,
  Schmiegen sich um ihn heran;
  Ja, die sanften, frommen Lieder
  Habens ihnen angetan!

Indessen hatte sich der Lwe ganz knapp an das Kind hingelegt und ihm
die schwere rechte Vordertatze auf den Scho gehoben, die der Knabe
fortsingend anmutig streichelte, aber gar bald bemerkte, da ein
scharfer Dornzweig zwischen die Ballen eingestochen war. Sorgfltig
zog er die verletzende Spitze hervor, nahm lchelnd sein buntseidenes
Halstuch vom Nacken und verband die greuliche Tatze des Untiers, so
da die Mutter sich vor Freuden mit ausgestreckten Armen zurckbog und
vielleicht angewohnter Weise Beifall gerufen und geklatscht htte, wre
sie nicht durch einen derben Faustgriff des Wrtels erinnert worden,
da die Gefahr nicht vorber sei.

Glorreich sang das Kind weiter, nachdem es mit wenigen Tnen
vorgespielt hatte:

  Denn der Ewge herrscht auf Erden,
  ber Meere herrscht sein Blick;
  Lwen sollen Lmmer werden,
  Und die Welle schwankt zurck;
  Blankes Schwert erstarrt im Hiebe,
  Glaub und Hoffnung sind erfllt;
  Wunderttig ist die Liebe,
  Die sich im Gebet enthllt.

Ist es mglich zu denken, da man in den Zgen eines so grimmigen
Geschpfs, des Tyrannen der Wlder, des Despoten des Tierreiches,
einen Ausdruck von Freundlichkeit, von dankbarer Zufriedenheit habe
spren knnen, so geschah es hier, und wirklich sah das Kind in seiner
Verklrung aus wie ein mchtiger siegreicher berwinder, jener zwar
nicht wie der berwundene, denn seine Kraft blieb in ihm verborgen,
aber doch wie der Gezhmte, wie der dem eigenen friedlichen Willen
Anheimgegebene. Das Kind fltete und sang so weiter, nach seiner Art
die Zeilen verschrnkend und neue hinzufgend:

  Und so geht mit guten Kindern
  Selger Engel gern zu Rat,
  Bses Wollen zu verhindern,
  Zu befrdern schne Tat.
  So beschwren, festzubannen
  Liebem Sohn ans zarte Knie
  Ihn, des Waldes Hochtyrannen,
  Frommer Sinn und Melodie.




HINWEIS

In einigen Fllen wurde die zeitgenssische Schreibung beibehalten,
z.B. bei _wornach_. Die Begriffe _brauschig_ und _pausig_ sind heute
nicht mehr gngig. Das Deutsche Wrterbuch der Gebrder Grimm gibt
bei beiden die Bedeutung "bauschig" an.






[End of Novelle, by Johann Wolfgang von Goethe]

[Fin de Novelle, par Johann Wolfgang von Goethe]
