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Title: Der Froschknig oder der eiserne Heinrich
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 9 May 2011
Date last updated: 9 May 2011
Project Gutenberg Canada ebook #784

This ebook was produced by
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Titre: Der Froschknig oder der eiserne Heinrich
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   9 mai 2011
Date de la dernire mise  jour:
   9 mai 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 784

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1.

Der Froschknig oder der eiserne Heinrich.


In den alten Zeiten, wo das Wnschen noch geholfen hat, lebte ein Knig,
dessen Tchter waren alle schn, aber die jngste war so schn, da die
Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte so oft
sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem Schlosse des Knigs lag ein
groer dunkler Wald, und in dem Walde unter einer alten Linde war ein
Brunnen: wenn nun der Tag recht hei war, so ging das Knigskind hinaus
in den Wald und setzte sich an den Rand des khlen Brunnens: und wenn
sie Langeweile hatte, so nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die
Hhe und fieng sie wieder; und das war ihr liebstes Spielwerk.

Nun trug es sich einmal zu, da die goldene Kugel der Knigstochter
nicht in ihr Hndchen fiel, das sie in die Hhe gehalten hatte, sondern
vorbei auf die Erde schlug und geradezu ins Wasser hinein rollte. Die
Knigstochter folgte ihr mit den Augen nach, aber die Kugel verschwand,
und der Brunnen war tief, so tief da man keinen Grund sah. Da fieng
sie an zu weinen und weinte immer lauter und konnte sich gar nicht
trsten. Und wie sie so klagte, rief ihr jemand zu 'was hast du vor,
Knigstochter, du schreist ja da sich ein Stein erbarmen mchte.' Sie
sah sich um, woher die Stimme kme, da erblickte sie einen Frosch, der
seinen dicken hlichen Kopf aus dem Wasser streckte. 'Ach, du bists,
alter Wasserpatscher,' sagte sie, 'ich weine ber meine goldene Kugel,
die mir in den Brunnen hinab gefallen ist.' 'Sei still und weine nicht,'

antwortete der Frosch, 'ich kann wohl Rath schaffen, aber was gibst du
mir, wenn ich dein Spielwerk wieder heraufhole?' 'Was du haben willst,
lieber Frosch,' sagte sie, 'meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine,
auch noch die goldene Krone, die ich trage.' Der Frosch antwortete
'deine Kleider, deine Perlen und Edelsteine, und deine goldene Krone,
die mag ich nicht: aber wenn du mich lieb haben willst, und ich soll
dein Geselle und Spielkamerad sein, an deinem Tischlein neben dir
sitzen, von deinem goldenen Tellerlein essen, aus deinem Becherlein
trinken, in deinem Bettlein schlafen: wenn du mir das versprichst,
so will ich hinunter steigen und dir die goldene Kugel wieder herauf
holen.' 'Ach ja,' sagte sie, 'ich verspreche dir alles, was du willst,
wenn du mir nur die Kugel wieder bringst.' Sie dachte aber 'was der
einfltige Frosch schwtzt, der sitzt im Wasser bei seines Gleichen
und quackt, und kann keines Menschen Geselle sein.'

Der Frosch, als er die Zusage erhalten hatte, tauchte seinen Kopf unter,
sank hinab und ber ein Weilchen kam er wieder herauf gerudert, hatte
die Kugel im Maul und warf sie ins Gras. Die Knigstochter war voll
Freude, als sie ihr schnes Spielwerk wieder erblickte, hob es auf und
sprang damit fort. 'Warte, warte,' rief der Frosch, 'nimm mich mit, ich
kann nicht so laufen wie du.' Aber was half ihm da er ihr sein quack
quack so laut nachschrie als er konnte! sie hrte nicht darauf, eilte
nach Haus und hatte bald den armen Frosch vergessen, der wieder in
seinen Brunnen hinab steigen mute.

Am andern Tage, als sie mit dem Knig und allen Hofleuten sich zur
Tafel gesetzt hatte und von ihrem goldenen Tellerlein a, da kam,
plitsch platsch, plitsch platsch, etwas die Marmortreppe herauf
gekrochen, und als es oben angelangt war, klopfte es an der Thr und
rief 'Knigstochter, jngste, mach mir auf.' Sie lief und wollte sehen
wer drauen wre, als sie aber aufmachte, so sa der Frosch davor. Da
warf sie die Thr hastig zu, setzte sich wieder an den Tisch, und war
ihr ganz angst. Der Knig sah wohl da ihr das Herz gewaltig klopfte und
sprach 'mein Kind, was frchtest du dich, steht etwa ein Riese vor der
Thr und will dich holen?' 'Ach nein,' antwortete sie, 'es ist kein
Riese, sondern ein garstiger Frosch.' 'Was will der Frosch von dir?'
'Ach lieber Vater, als ich gestern im Wald bei dem Brunnen sa und
spielte, da fiel meine goldene Kugel ins Wasser. Und weil ich so
weinte, hat sie der Frosch wieder heraufgeholt, und weil er es durchaus
verlangte, so versprach ich ihm er sollte mein Geselle werden, ich
dachte aber nimmermehr da er aus seinem Wasser heraus knnte. Nun ist
er drauen und will zu mir herein.' Indem klopfte es zum zweitenmal und
rief

   'Knigstochter, jngste,
   mach mir auf,
   weit du nicht was gestern
   du zu mir gesagt
   bei dem khlen Brunnenwasser?
   Knigstochter, jngste,
   mach mir auf.'

Da sagte der Knig 'was du versprochen hast, das mut du auch halten;
geh nur und mach ihm auf.' Sie gieng und ffnete die Thre, da hpfte
der Frosch herein, ihr immer auf dem Fue nach, bis zu ihrem Stuhl. Da
sa er und rief 'heb mich herauf zu dir.' Sie zauderte bis es endlich
der Knig befahl. Als der Frosch erst auf dem Stuhl war, wollte er auf
den Tisch, und als er da sa, sprach er 'nun schieb mir dein goldenes
Tellerlein nher, damit wir zusammen essen.' Das that sie zwar, aber man
sah wohl da sies nicht gerne that. Der Frosch lie sichs gut schmecken,
aber ihr blieb fast jedes Bilein im Halse. Endlich sprach er 'ich habe
mich satt gegessen, und bin mde, nun trag mich in dein Kmmerlein und
mach dein seiden Bettlein zurecht, da wollen wir uns schlafen legen.'
Die Knigstochter fieng an zu weinen und frchtete sich vor dem kalten
Frosch, den sie nicht anzurhren getraute, und der nun in ihrem schnen
reinen Bettlein schlafen sollte. Der Knig aber ward zornig und sprach
'wer dir geholfen hat, als du in der Noth warst, den sollst du hernach
nicht verachten.' Da packte sie ihn mit zwei Fingern, trug ihn hinauf
und setzte ihn in eine Ecke. Als sie aber im Bett lag, kam er gekrochen
und sprach 'ich bin mde, ich will schlafen so gut wie du: heb mich
herauf, oder ich sags deinem Vater.' Da ward sie erst bitterbse, holte
ihn herauf und warf ihn aus allen Krften wider die Wand, 'nun wirst du
Ruhe haben, du garstiger Frosch.'

Als er aber herab fiel, war er kein Frosch, sondern ein Knigssohn mit
schnen und freundlichen Augen. Der war nun nach ihres Vaters Willen ihr
lieber Geselle und Gemahl. Da erzhlte er ihr, er wre von einer bsen
Hexe verwnscht worden, und Niemand htte ihn aus dem Brunnen erlsen
knnen als sie allein, und morgen wollten sie zusammen in sein Reich
gehen. Dann schliefen sie ein, und am andern Morgen, als die Sonne
sie aufweckte, kam ein Wagen heran gefahren mit acht weien Pferden
bespannt, die hatten weie Straufedern auf dem Kopf, und giengen in
goldenen Ketten, und hinten stand der Diener des jungen Knigs, das
war der treue Heinrich. Der treue Heinrich hatte sich so betrbt, als
sein Herr war in einen Frosch verwandelt worden, da er drei eiserne
Bande hatte um sein Herz legen lassen, damit es ihm nicht vor Weh und
Traurigkeit zersprnge. Der Wagen aber sollte den jungen Knig in sein
Reich abholen; der treue Heinrich hob beide hinein, stellte sich wieder
hinten auf und war voller Freude ber die Erlsung. Und als sie ein
Stck Wegs gefahren waren, hrte der Knigssohn da es hinter ihm
krachte, als wre etwas zerbrochen. Da drehte er sich um und rief

   'Heinrich, der Wagen bricht.'
   'Nein, Herr, der Wagen nicht,
   es ist ein Band von meinem Herzen,
   das da lag in groen Schmerzen,
   als ihr in dem Brunnen sat,
   als ihr eine Fretsche (Frosch) wast (wart).'

Noch einmal und noch einmal krachte es auf dem Weg, und der Knigssohn
meinte immer der Wagen brche, und es waren doch nur die Bande, die
vom Herzen des treuen Heinrich absprangen, weil sein Herr erlst und
glcklich war.




[End of Der Froschknig, by the Brothers Grimm]

[Fin de Der Froschknig, par les frres Grimm]
