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Title: Mhrchen von einem, der auszog das Frchten zu lernen
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 30 May 2011
Date last updated: 30 May 2011
Project Gutenberg Canada ebook #797

This ebook was produced by
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Titre: Mhrchen von einem, der auszog das Frchten zu lernen
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   30 mai 2011
Date de la dernire mise  jour:
   30 mai 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 797

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4.

Mhrchen von einem, der auszog das Frchten zu lernen.


Ein Vater hatte zwei Shne, davon war der lteste klug und gescheidt,
und wute sich in alles wohl zu schicken, der jngste aber war dumm,
konnte nichts begreifen und lernen: und wenn ihn die Leute sahen,
sprachen sie 'mit dem wird der Vater noch seine Last haben!' Wenn nun
etwas zu thun war, so mute es der lteste allzeit ausrichten: hie ihn
aber der Vater noch spt oder gar in der Nacht etwas holen, und der
Weg gieng dabei ber den Kirchhof oder sonst einen schaurigen Ort, so
antwortete er wohl 'ach nein, Vater, ich gehe nicht dahin, es gruselt
mir!' denn er frchtete sich. Oder, wenn Abends beim Feuer Geschichten
erzhlt wurden, wobei einem die Haut schaudert, so sprachen die Zuhrer
manchmal 'ach, es gruselt mir!' Der jngste sa in einer Ecke und hrte
das mit an, und konnte nicht begreifen was es heien sollte. 'Immer
sagen sie es gruselt mir! es gruselt mir! mir gruselts nicht: das wird
wohl eine Kunst sein, von der ich auch nichts verstehe.'

Nun geschah es, da der Vater einmal zu ihm sprach 'hr du, in der Ecke
dort, du wirst gro und stark, du mut auch etwas lernen womit du dein
Brot verdienst. Siehst du, wie dein Bruder sich Mhe gibt, aber an dir
ist Hopfen und Malz verloren.' 'Ei, Vater,' antwortete er, 'ich will
gerne was lernen; ja, wenns angienge, so mchte ich lernen da mirs
gruselte; davon verstehe ich noch gar nichts.' Der lteste lachte als er
das hrte, und dachte bei sich 'du lieber Gott, was ist mein Bruder ein
Dummbart, aus dem wird sein Lebtag nichts: was ein Hckchen werden will,
mu sich bei Zeiten krmmen.' Der Vater seufzte und antwortete ihm 'das
Gruseln, das sollst du schon lernen, aber dein Brot wirst du damit nicht
verdienen.'

Bald danach kam der Kster zum Besuch ins Haus, da klagte ihm der Vater
seine Noth und erzhlte wie sein jngster Sohn in allen Dingen so
schlecht beschlagen wre, er wte nichts und lernte nichts. 'Denkt
euch, als ich ihn fragte, womit er sein Brot verdienen wollte, hat
er gar verlangt das Gruseln zu lernen.' 'Wenns weiter nichts ist,'
antwortete der Kster, 'das kann er bei mir lernen; thut ihn nur zu mir,
ich will ihn schon abhobeln.' Der Vater war es zufrieden, weil er dachte
'der Junge wird doch ein wenig zugestutzt.' Der Kster nahm ihn also
ins Haus, und er mute die Glocke luten. Nach ein paar Tagen weckte er
ihn um Mitternacht, hie ihn aufstehen, in den Kirchthurm steigen und
luten. 'Du sollst schon lernen was Gruseln ist,' dachte er, gieng
heimlich voraus, und als der Junge oben war, und sich umdrehte und das
Glockenseil fassen wollte, so sah er auf der Treppe, dem Schallloch
gegenber, eine weie Gestalt stehen. 'Wer da?' rief er, aber die
Gestalt gab keine Antwort, regte und bewegte sich nicht. 'Gib Antwort,'
rief der Junge, 'oder mache da du fort kommst, du hast hier in der
Nacht nichts zu schaffen.' Der Kster aber blieb unbeweglich stehen,
damit der Junge glauben sollte es wre ein Gespenst. Der Junge rief zum
zweitenmal 'was willst du hier? sprich, wenn du ein ehrlicher Kerl bist,
oder ich werfe dich die Treppe hinab.' Der Kster dachte 'das wird so
schlimm nicht gemeint sein,' gab keinen Laut von sich und stand als wenn
er von Stein wre. Da rief ihn der Junge zum drittenmale an, und als das
auch vergeblich war, nahm er einen Anlauf und stie das Gespenst die
Treppe hinab, da es zehn Stufen hinab fiel und in einer Ecke liegen
blieb. Darauf lutete er die Glocke, gieng heim, legte sich, ohne ein
Wort zu sagen, ins Bett und schlief fort. Die Ksterfrau wartete lange
Zeit auf ihren Mann, aber er wollte nicht wieder kommen. Da ward ihr
endlich angst, sie weckte den Jungen, und fragte 'weit du nicht, wo
mein Mann geblieben ist? er ist vor dir auf den Thurm gestiegen.'
'Nein,' antwortete der Junge, 'aber da hat einer dem Schallloch
gegenber auf der Treppe gestanden, und weil er keine Antwort geben
und auch nicht weggehen wollte, so habe ich ihn fr einen Spitzbuben
gehalten und hinunter gestoen. Geht nur hin, so werdet Ihr sehen ob
ers gewesen ist, es sollte mir leid thun.' Die Frau sprang fort, und
fand ihren Mann, der in einer Ecke lag und jammerte, und ein Bein
gebrochen hatte.

Sie trug ihn herab und eilte dann mit lautem Geschrei zu dem Vater des
Jungen. 'Euer Junge,' rief sie, 'hat ein groes Unglck angerichtet,
meinen Mann hat er die Treppe hinab geworfen da er ein Bein gebrochen
hat: schafft den Taugenichts aus unserm Hause.' Der Vater erschrack, kam
herbeigelaufen und schalt den Jungen aus. 'Was sind das fr gottlose
Streiche, die mu dir der Bse eingegeben haben.' 'Vater,' antwortete
er, 'hrt nur an, ich bin ganz unschuldig: er stand da in der Nacht, wie
einer der bses im Sinne hat. Ich wute nicht wers war, und habe ihn
dreimal ermahnt zu reden oder wegzugehen.' 'Ach,' sprach der Vater, 'mit
dir erleb ich nur Unglck, geh mir aus den Augen, ich will dich nicht
mehr ansehen.' 'Ja, Vater, recht gerne, wartet nur bis Tag ist, da will
ich ausgehen und das Gruseln lernen, so versteh ich doch eine Kunst, die
mich ernhren kann.' 'Lerne was du willst,' sprach der Vater, 'mir ist
alles einerlei. Da hast du funfzig Thaler, damit geh in die weite Welt
und sage keinem Menschen wo du her bist und wer dein Vater ist, denn ich
mu mich deiner schmen.' 'Ja, Vater, wie ihrs haben wollt, wenn ihr
nicht mehr verlangt, das kann ich leicht in Acht behalten.'

Als nun der Tag anbrach, steckte der Junge seine funfzig Thaler in die
Tasche, gieng hinaus auf die groe Landstrae und sprach immer vor sich
hin 'wenn mirs nur gruselte! wenn mirs nur gruselte!' Da kam ein Mann
heran, der hrte das Gesprch, das der Junge mit sich selber fhrte, und
als sie ein Stck weiter waren, da man den Galgen sehen konnte, sagte
der Mann zu ihm 'siehst du, dort ist der Baum, wo siebene mit des
Seilers Tochter Hochzeit gehalten haben und jetzt das Fliegen lernen:
setz dich darunter und warte bis die Nacht kommt, so wirst du schon das
Gruseln lernen.' 'Wenn weiter nichts dazu gehrt,' antwortete der Junge,
'das ist leicht gethan; lerne ich aber so geschwind das Gruseln, so
sollst du meine funfzig Thaler haben: komm nur Morgen frh wieder zu
mir.' Da gieng der Junge zu dem Galgen, setzte sich darunter und wartete
bis der Abend kam. Und weil ihn fror, machte er sich ein Feuer an: aber
um Mitternacht gieng der Wind so kalt, da er trotz des Feuers nicht
warm werden wollte. Und als der Wind die Gehenkten gegen einander stie,
da sie sich hin und her bewegten, so dachte er 'du frierst unten bei
dem Feuer, was mgen die da oben erst frieren und zappeln.' Und weil er
mitleidig war, legte er die Leiter an, stieg hinauf, knpfte einen nach
dem andern los, und holte sie alle siebene herab. Darauf schrte er das
Feuer, blies es an und setzte sie rings herum, da sie sich wrmen
sollten. Aber sie saen da und regten sich nicht, und das Feuer ergriff
ihre Kleider. Da sprach er 'nehmt euch in Acht, sonst hng ich euch
wieder hinauf.' Die Todten aber hrten nicht, schwiegen und lieen ihre
Lumpen fort brennen. Da ward er bs und sprach 'wenn ihr nicht Acht
geben wollt, so kann ich euch nicht helfen, ich will nicht mit euch
verbrennen,' und hieng sie nach der Reihe wieder hinauf. Nun setzte er
sich zu seinem Feuer und schlief ein, und am andern Morgen, da kam der
Mann zu ihm, wollte die funfzig Thaler haben und sprach 'nun, weit du
was gruseln ist?' 'Nein,' antwortete er, 'woher sollte ichs wissen? die
da droben haben das Maul nicht aufgethan und waren so dumm, da sie die
paar alten Lappen, die sie am Leibe haben, brennen lieen.' Da sah der
Mann da er die funfzig Thaler heute nicht davon tragen wrde, gieng
fort und sprach 'so einer ist mir noch nicht vorgekommen.'

Der Junge gieng auch seines Weges und fieng wieder an vor sich hin zu
reden 'ach, wenn mirs nur gruselte! ach, wenn mirs nur gruselte!' Das
hrte ein Fuhrmann, der hinter ihm her schritt, und fragte 'wer bist
du?' 'Ich wei nicht' antwortete der Junge. Der Fuhrmann fragte weiter
'wo bist du her?' 'Ich wei nicht.' 'Wer ist dein Vater?' 'Das darf
ich nicht sagen.' 'Was brummst du bestndig in den Bart hinein?' 'Ei,'
antwortete der Junge, 'ich wollte, da mirs gruselte, aber niemand kann
mirs lehren.' 'La dein dummes Geschwtz,' sprach der Fuhrmann, 'komm,
geh mit mir, ich will sehen da ich dich unterbringe.' Der Junge gieng
mit dem Fuhrmann, und Abends gelangten sie zu einem Wirthshaus, wo sie
bernachten wollten. Da sprach er beim Eintritt in die Stube wieder ganz
laut 'wenn mirs nur gruselte! wenn mirs nur gruselte!' Der Wirth, der
das hrte, lachte und sprach 'wenn dich danach lstet, dazu sollte hier
wohl Gelegenheit sein.' 'Ach schweig stille,' sprach die Wirthsfrau, 'so
mancher Vorwitzige hat schon sein Leben eingebt, es wre Jammer und
Schade um die schnen Augen, wenn die das Tageslicht nicht wieder sehen
sollten.' Der Junge aber sagte 'wenns noch so schwer wre, ich wills
einmal lernen, deshalb bin ich ja ausgezogen.' Er lie dem Wirth auch
keine Ruhe, bis dieser erzhlte nicht weit davon stnde ein verwnschtes
Schlo, wo einer wohl lernen konnte was gruseln wre, wenn er nur drei
Nchte darin wachen wollte. Der Knig htte dem, ders wagen wollte,
seine Tochter zur Frau versprochen, und die wre die schnste Jungfrau,
welche die Sonne beschien: in dem Schlosse steckten auch groe Schtze,
von bsen Geistern bewacht, die wrden dann frei und knnten einen Armen
reich genug machen. Schon viele wren wohl hinein aber noch keiner
wieder heraus gekommen. Da gieng der Junge am andern Morgen vor den
Knig und sprach 'wenns erlaubt wre, so wollte ich wohl drei Nchte
in dem verwnschten Schlosse wachen.' Der Knig sah ihn an, und weil er
ihm gefiel, sprach er 'du darfst dir noch dreierlei ausbitten, aber es
mssen leblose Dinge sein, und darfst das du mit ins Schlo nehmen.'
Da antwortete er 'so bitt ich um ein Feuer, eine Drehbank und eine
Schnitzbank mit dem Messer.'

Der Knig lie ihm das alles bei Tage in das Schlo tragen. Als es Nacht
werden wollte, gieng der Junge hinauf, machte sich in einer Kammer ein
helles Feuer an, stellte die Schnitzbank mit dem Messer daneben und
setzte sich auf die Drehbank. 'Ach, wenn mirs nur gruselte!' sprach er,
'aber hier werde ichs auch nicht lernen.' Gegen Mitternacht wollte er
sich sein Feuer einmal aufschren: wie er so hinein blies, da schries
pltzlich aus einer Ecke 'au, miau! was uns friert!' 'Ihr Narren,' rief
er, 'was schreit ihr? wenn euch friert, kommt, setzt euch ans Feuer und
wrmt euch.' Und wie er das gesagt hatte, kamen zwei groe schwarze
Katzen in einem gewaltigen Sprunge herbei, setzten sich ihm zu beiden
Seiten und sahen ihn mit ihren feurigen Augen ganz wild an. ber ein
Weilchen, als sie sich gewrmt hatten, sprachen sie 'Kamerad, wollen
wir eins in der Karte spielen?' 'warum nicht?' antwortete er, 'aber
zeigt einmal eure Pfoten her.' Da streckten sie die Krallen aus.
'Ei,' sagte er, 'was habt ihr lange Ngel! wartet, die mu ich euch
erst abschneiden.' Damit packte er sie beim Kragen, hob sie auf die
Schnitzbank und schraubte ihnen die Pfoten fest. 'Euch habe ich auf die
Finger gesehen,' sprach er, 'da vergeht mir die Lust zum Kartenspiel,'
schlug sie todt und warf sie hinaus ins Wasser. Als er aber die zwei
zur Ruhe gebracht hatte und sich wieder zu seinem Feuer setzen wollte,
da kamen aus allen Ecken und Enden schwarze Katzen und schwarze Hunde
an glhenden Ketten, immer mehr und mehr, da er sich nicht mehr bergen
konnte: die schrien grulich, traten ihm auf sein Feuer, zerrten es
auseinander und wollten es ausmachen. Das sah er ein Weilchen ruhig mit
an, als es ihm aber zu arg ward, fate er sein Schnitzmesser und rief
'fort mit dir, du Gesindel,' und haute auf sie los. Ein Theil sprang
weg, die andern schlug er todt und warf sie hinaus in den Teich. Als er
wieder gekommen war, blies er aus den Funken sein Feuer frisch an und
wrmte sich. Und als er so sa, wollten ihm die Augen nicht lnger offen
bleiben und er bekam Lust zu schlafen. Da blickte er um sich und sah in
der Ecke ein groes Bett, 'das ist mir eben recht' sprach er und legte
sich hinein. Als er aber die Augen zuthun wollte, so fieng das Bett von
selbst an zu fahren, und fuhr im ganzen Schlo herum. 'Recht so,' sprach
er, 'nur besser zu.' Da rollte das Bett fort, als wren sechs Pferde
vorgespannt, ber Schwellen und Treppen auf und ab: auf einmal hopp
hopp! warf es um, das unterste zu oberst, da es wie ein Berg auf ihm
lag. Aber er schleuderte Decken und Kissen in die Hhe, stieg heraus
und sagte 'nun mag fahren wer Lust hat,' legte sich an sein Feuer und
schlief bis es Tag war. Am Morgen kam der Knig, und als er ihn da auf
der Erde liegen sah, meinte er die Gespenster htten ihn umgebracht, und
er wre todt. Da sprach er 'es ist doch schade um den schnen Menschen.'
Das hrte der Junge, richtete sich auf und sprach 'so weit ists noch
nicht!' Da verwunderte sich der Knig, freute sich aber, und fragte
wie es ihm gegangen wre. 'Recht gut,' antwortete er, 'eine Nacht wre
herum, die zwei andern werden auch herum gehen.' Als er zum Wirth kam,
da machte der groe Augen. 'Ich dachte nicht,' sprach er, 'da ich dich
wieder lebendig sehen wrde; hast du nun gelernt was Gruseln ist?'
'Nein,' sagte er, 'es ist alles vergeblich: wenn mirs nur einer sagen
knnte!'

Die zweite Nacht gieng er abermals hinauf ins alte Schlo, setzte sich
zum Feuer und fieng sein altes Lied wieder an, 'wenn mirs nur gruselte!'
Wie Mitternacht herankam, lie sich ein Lrm und Gepolter hren, erst
sachte, dann immer strker, dann wars ein bischen still, endlich kam mit
lautem Geschrei ein halber Mensch den Schornstein herab und fiel vor ihn
hin. 'Heda!' rief er, 'noch ein halber gehrt dazu, das ist zu wenig.'
Da gieng der Lrm von frischem an, es tobte und heulte, und fiel die
andere Hlfte auch herab. 'Wart,' sprach er, 'ich will dir erst das
Feuer ein wenig anblasen.' Wie er das gethan hatte und sich wieder
umsah, da waren die beiden Stcke zusammen gefahren, und sa da ein
grulicher Mann auf seinem Platz. 'So haben wir nicht gewettet,' sprach
der Junge, 'die Bank ist mein.' Der Mann wollte ihn wegdrngen, aber der
Junge lie sichs nicht gefallen, schob ihn mit Gewalt weg und setzte
sich wieder auf seinen Platz. Da fielen noch mehr Mnner herab, einer
nach dem andern, die holten neun Todtenbeine und zwei Todtenkpfe,
setzten auf und spielten Kegel. Der Junge bekam auch Lust und fragte
'hrt ihr, kann ich mit sein?' 'Ja, wenn du Geld hast.' 'Geld genug,'
antwortete er, 'aber eure Kugeln sind nicht recht rund.' Da nahm er die
Todtenkpfe, setzte sie in die Drehbank und drehte sie rund. 'So, jetzt
werden sie besser schppeln,' sprach er, 'heida! nun gehts lustig!' Er
spielte mit und verlor etwas von seinem Geld, als es aber zwlf Uhr
schlug, war alles vor seinen Augen verschwunden. Er legte sich nieder
und schlief ruhig ein. Am andern Morgen kam der Knig und wollte sich
erkundigen. 'Wie ist dirs diesmal gegangen?' fragte er. 'Ich habe
gekegelt,' antwortete er, 'und ein paar Heller verloren.' 'Hat dir denn
nicht gegruselt?' 'Ei was,' sprach er, 'lustig hab ich mich gemacht.
Wenn ich nur wte was Gruseln wre?'

In der dritten Nacht setzte er sich wieder auf seine Bank und sprach
ganz verdrielich 'wenn es mir nur gruselte!' Als es spt ward kamen
sechs groe Mnner und brachten eine Todtenlade hereingetragen. Da
sprach er 'ha ha, das ist gewi mein Vetterchen, das erst vor ein paar
Tagen gestorben ist,' winkte mit dem Finger und rief 'komm, Vetterchen,
komm!' Sie stellten den Sarg auf die Erde, er aber gieng hinzu und nahm
den Deckel ab: da lag ein todter Mann darin. Er fhlte ihm ans Gesicht,
aber es war kalt wie Eis. 'Wart,' sprach er, 'ich will dich ein bischen
wrmen,' gieng ans Feuer, wrmte seine Hand und legte sie ihm aufs
Gesicht, aber der Todte blieb kalt. Nun nahm er ihn heraus, setzte sich
ans Feuer und legte ihn auf seinen Schoo, und rieb ihm die Arme, damit
das Blut wieder in Bewegung kommen sollte. Als auch das nichts helfen
wollte, fiel ihm ein 'wenn zwei zusammen im Bett liegen, so wrmen sie
sich,' brachte ihn ins Bett, deckte ihn zu und legte sich neben ihn.
ber ein Weilchen ward auch der Todte warm und fieng an sich zu regen.
Da sprach der Junge 'siehst du, Vetterchen, htt ich dich nicht gewrmt!'
Der Todte aber hub an und rief 'jetzt will ich dich erwrgen.' 'Was,'
sagte er, 'ist das mein Dank? gleich sollst du wieder in deinen Sarg,'
hub ihn auf, warf ihn hinein und machte den Deckel zu; da kamen die
sechs Mnner, und trugen ihn wieder fort. 'Es will mir nicht gruseln,'
sagte er, 'hier lerne ichs mein Lebtag nicht.'

Da trat ein Mann herein, der war grer als alle anderen, und sah
frchterlich aus; er war aber alt und hatte einen langen weien Bart.
'O du Wicht,' rief er, 'nun sollst du bald lernen was Gruseln ist, denn
du sollst sterben.' 'Nicht so schnell,' antwortete der Junge, 'soll
ich sterben, so mu ich auch dabei sein.' 'Dich will ich schon packen'
sprach der Unhold. 'Sachte, sachte, mach dich nicht so breit; so stark
wie du bin ich auch, und wohl noch strker.' 'Das wollen wir sehn,'
sprach der Alte, 'bist du strker als ich, so will ich dich gehn lassen;
komm, wir wollens versuchen.' Da fhrte er ihn durch dunkle Gnge zu
einem Schmiedefeuer, nahm eine Axt und schlug den einen Ambo mit einem
Schlag in die Erde. 'Das kann ich noch besser' sprach der Junge, und
gieng zu dem andern Ambo: der Alte stellte sich neben hin und wollte
zusehen, und sein weier Bart hieng herab. Da fate der Junge die Axt,
spaltete den Ambo auf einen Hieb und klemmte den Bart des Alten mit
hinein. 'Nun hab ich dich,' sprach der Junge, 'jetzt ist das Sterben an
dir.' Dann fate er eine Eisenstange und schlug auf den Alten los, bis
er wimmerte und bat er mchte aufhren, er wollte ihm groe Reichthmer
geben. Der Junge zog die Axt raus, und lie ihn los. Der Alte fhrte
ihn wieder ins Schlo zurck und zeigte ihm in einem Keller drei Kasten
voll Gold. 'Davon,' sprach er, 'ist ein Theil den Armen, der andere
dem Knig, der dritte dein.' Indem schlug es zwlfe, und der Geist
verschwand, also da der Junge im finstern stand. 'Ich werde mir doch
heraushelfen knnen' sprach er, tappte herum, fand den Weg in die
Kammer und schlief dort bei seinem Feuer ein. Am andern Morgen kam der
Knig und sagte 'nun wirst du gelernt haben was Gruseln ist?' 'Nein,'
antwortete er, 'was ists nur? mein todter Vetter war da, und ein
brtiger Mann ist gekommen, der hat mir da unten viel Geld gezeigt, aber
was Gruseln ist hat mir keiner gesagt.' Da sprach der Knig 'du hast das
Schlo erlst und sollst meine Tochter heirathen.' 'Das ist all recht
gut,' antwortete er, 'aber ich wei noch immer nicht was Gruseln ist.'

Da ward das Gold herauf gebracht und die Hochzeit gefeiert, aber der
junge Knig, so lieb er seine Gemahlin hatte und so vergngt er war,
sagte doch immer 'wenn mir nur gruselte, wenn mir nur gruselte.' Das
verdro sie endlich. Ihr Kammermdchen sprach 'ich will Hilfe schaffen,
das Gruseln soll er schon lernen.' Sie gieng hinaus zum Bach, der durch
den Garten flo, und lie sich einen ganzen Eimer voll Grndlinge holen.
Nachts, als der junge Knig schlief, mute seine Gemahlin ihm die Decke
wegziehen und den Eimer voll kalt Wasser mit den Grndlingen ber ihn
herschtten, da die kleinen Fische um ihn herum zappelten. Da wachte er
auf und rief 'ach was gruselt mir, was gruselt mir, liebe Frau! Ja, nun
wei ich was Gruseln ist.'




ZUR BEACHTUNG:


Zwei nderungen wurden am Text vorgenommen. Im folgenden Satz wurde das
Wort "her" ergnzt:

 da sie sich hin und her bewegten

Das Wort "andere" bekam die Endung -n im Satz:

 der war grer als alle anderen




[End of Mhrchen von einem, der auszog das Frchten zu lernen,
by the Brothers Grimm]

[Fin de Mhrchen von einem, der auszog das Frchten zu lernen,
par les frres Grimm]
