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Title: Der Wolf und die sieben jungen Geislein
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 12 June 2011
Date last updated: 12 June 2011
Project Gutenberg Canada ebook #801

This ebook was produced by
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Titre: Der Wolf und die sieben jungen Geislein
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   12 juin 2011
Date de la dernire mise  jour:
   12 juin 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 801

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5.

Der Wolf und die sieben jungen Geislein.


Es war einmal eine alte Geis, die hatte sieben junge Geislein, und hatte
sie lieb, wie eine Mutter ihre Kinder lieb hat. Eines Tages wollte sie
in den Wald gehen und Futter holen, da rief sie alle sieben herbei und
sprach 'liebe Kinder, ich will hinaus in den Wald, seid auf eurer Hut
vor dem Wolf, wenn er herein kommt, so frit er Euch alle mit Haut und
Haar. Der Bsewicht verstellt sich oft, aber an seiner rauhen Stimme und
an seinen schwarzen Fen werdet ihr ihn gleich erkennen.' Die Geislein
sagten, 'liebe Mutter, wir wollen uns schon in Acht nehmen, Ihr knnt
ohne Sorge fortgehen.' Da meckerte die Alte und machte sich getrost auf
den Weg.

Es dauerte nicht lange, so klopfte jemand an die Hausthr und rief
'macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch
etwas mitgebracht.' Aber die Geiserchen hrten an der rauhen Stimme da
es der Wolf war, 'wir machen nicht auf,' riefen sie, 'du bist unsere
Mutter nicht, die hat eine feine und liebliche Stimme, aber deine Stimme
ist rauh; du bist der Wolf.' Da gieng der Wolf fort zu einem Krmer, und
kaufte sich ein groes Stck Kreide: die a er und machte damit seine
Stimme fein. Dann kam er zurck, klopfte an die Hausthr und rief 'macht
auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas
mitgebracht.' Aber der Wolf hatte seine schwarze Pfote in das Fenster
gelegt, das sahen die Kinder und riefen 'wir machen nicht auf, unsere
Mutter hat keinen schwarzen Fu, wie du: du bist der Wolf.' Da lief der
Wolf zu einem Bcker und sprach 'ich habe mich an den Fu gestoen,
streich mir Teig darber.' Und als ihm der Bcker die Pfote bestrichen
hatte, so lief er zum Mller und sprach 'streu mir weies Mehl auf meine
Pfote.' Der Mller dachte 'der Wolf will einen betrgen' und weigerte
sich, aber der Wolf sprach 'wenn du es nicht thust, so fresse ich dich.'
Da frchtete sich der Mller und machte ihm die Pfote wei. Ja, das sind
die Menschen.

Nun gieng der Bsewicht zum drittenmal zu der Hausthre, klopfte an und
sprach 'macht mir auf, Kinder, euer liebes Mtterchen ist heim gekommen
und hat jedem von Euch etwas aus dem Walde mitgebracht.' Die Geiserchen
riefen 'zeig uns erst deine Pfote, damit wir wissen da du unser liebes
Mtterchen bist.' Da legte er die Pfote ins Fenster, und als sie sahen
da sie wei war, so glaubten sie es wre alles wahr, was er sagte,
und machten die Thre auf. Wer aber hereinkam, das war der Wolf. Sie
erschraken und wollten sich verstecken. Das eine sprang unter den Tisch,
das zweite ins Bett, das dritte in den Ofen, das vierte in die Kche,
das fnfte in den Schrank, das sechste unter die Waschschssel, das
siebente in den Kasten der Wanduhr. Aber der Wolf fand sie alle und
machte nicht langes Federlesen: eins nach dem andern schluckte er in
seinen Rachen; nur das jngste in dem Uhrkasten das fand er nicht. Als
der Wolf seine Lust gebt hatte, trollte er sich fort, legte sich
drauen auf der grnen Wiese unter einen Baum und fieng an zu schlafen.

Nicht lange danach kam die alte Geis aus dem Walde wieder heim. Ach, was
mute sie da erblicken! Die Hausthre stand sperrweit auf: Tisch, Sthle
und Bnke waren umgeworfen, die Waschschssel lag in Scherben, Decke und
Kissen waren aus dem Bett gezogen. Sie suchte ihre Kinder, aber nirgend
waren sie zu finden. Sie rief sie nacheinander bei Namen, aber niemand
antwortete. Endlich als sie an das jngste kam, da rief eine feine Stimme
'liebe Mutter, ich stecke im Uhrkasten.' Sie holte es heraus, und es
erzhlte ihr da der Wolf gekommen wre und die andern alle gefressen
htte. Da knnt ihr denken wie sie ber ihre armen Kinder geweint hat.

Endlich gieng sie in ihrem Jammer hinaus, und das jngste Geislein
lief mit. Als sie auf die Wiese kam, so lag da der Wolf an dem Baum und
schnarchte da die ste zitterten. Sie betrachtete ihn von allen Seiten,
und sah da in seinem angefllten Bauch sich etwas regte und zappelte.
'Ach Gott,' dachte sie, 'sollten meine armen Kinder, die er zum Abendbrot
hinunter gewrgt hat, noch am Leben sein?' Da mute das Geislein nach
Haus laufen und Scheere, Nadel und Zwirn holen. Dann schnitt sie dem
Ungethm den Wanst auf, und kaum hatte sie einen Schnitt gethan, so
streckte schon ein Geislein den Kopf heraus, und als sie weiter schnitt,
so sprangen nacheinander alle sechse heraus, und waren noch alle am
Leben, und hatten nicht einmal Schaden gelitten, denn das Ungethm
hatte sie in der Gier ganz hinunter geschluckt. Das war eine Freude!
Da herzten sie ihre liebe Mutter, und hpften wie ein Schneider, der
Hochzeit hlt. Die Alte aber sagte 'jetzt geht und sucht Wackersteine,
damit wollen wir dem gottlosen Thier den Bauch fllen, so lange es noch
im Schlafe liegt.' Da schleppten die sieben Geiserchen in aller Eile
die Steine herbei und steckten sie ihm in den Bauch, so viel sie hinein
bringen konnten. Dann nhte ihn die Alte in aller Geschwindigkeit wieder
zu, da er nichts merkte und sich nicht einmal regte.

Als der Wolf endlich ausgeschlafen hatte, machte er sich auf die Beine,
und weil ihm die Steine im Magen so groen Durst erregten, so wollte er
zu einem Brunnen gehen und trinken. Als er aber anfieng zu gehen und
sich hin und her zu bewegen, so stieen die Steine in seinem Bauch
aneinander und rappelten. Da rief er

  'was rumpelt und pumpelt
  in meinem Bauch herum?
  ich meinte es wren sechs Geislein,
  so sinds lauter Wackerstein.'

Und als er an den Brunnen kam und sich ber das Wasser bckte und
trinken wollte, da zogen ihn die schweren Steine hinein, und er mute
jmmerlich ersaufen. Als die sieben Geislein das sahen, da kamen sie
herbei gelaufen, riefen laut 'der Wolf ist todt! der Wolf ist todt!'
und tanzten mit ihrer Mutter vor Freude um den Brunnen herum.




[End of Wolf und die sieben jungen Geislein,
by the Brothers Grimm]

[Fin de Wolf und die sieben jungen Geislein,
par les frres Grimm]
