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Title: Der wunderliche Spielmann
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 26 July 2011
Date last updated: 26 July 2011
Project Gutenberg Canada ebook #826

This ebook was produced by
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Titre: Der wunderliche Spielmann
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   26 juillet 2011
Date de la dernire mise  jour:
   26 juillet 2011
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 826

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8.

Der wunderliche Spielmann.


Es war einmal ein wunderlicher Spielmann, der gieng durch einen Wald
mutterselig allein und dachte hin und her, und als fr seine Gedanken
nichts mehr brig war, sprach er zu sich selbst 'mir wird hier im Walde
Zeit und Weile lang, ich will einen guten Gesellen herbei holen.' Da
nahm er die Geige vom Rcken und fidelte eins da es durch die Bume
schallte. Nicht lange, so kam ein Wolf durch das Dickicht daher getrabt.
'Ach, ein Wolf kommt! nach dem trage ich kein Verlangen,' sagte der
Spielmann: aber der Wolf schritt nher und sprach zu ihm 'ei, du lieber
Spielmann, was fidelst du so schn! das mcht ich auch lernen.' 'Das ist
bald gelernt,' antwortete ihm der Spielmann, 'du mut nur alles thun,
was ich dich heie.' 'O Spielmann,' sprach der Wolf, 'ich will dir
gehorchen, wie ein Schler seinem Meister.' Der Spielmann hie ihn
mitgehen, und als sie ein Stck Wegs zusammen gegangen waren, kamen sie
an einen alten Eichbaum, der innen hohl und in der Mitte aufgerissen
war. 'Sieh her,' sprach der Spielmann, 'willst du fideln lernen, so
lege die Vorderpfoten in diesen Spalt.' Der Wolf gehorchte, aber der
Spielmann hob schnell einen Stein auf und keilte ihm die beiden Pfoten
mit einem Schlag so fest da er wie ein Gefangener da liegen bleiben
mute. 'Warte da so lange bis ich wieder komme,' sagte der Spielmann und
gieng seines Weges.

ber eine Weile sprach er abermals zu sich selber 'mir wird hier im
Walde Zeit und Weile lang, ich will einen andern Gesellen herbeiholen,'
nahm seine Geige und fidelte wieder in den Wald hinein. Nicht lange, so
kam ein Fuchs durch die Bume daher geschlichen. 'Ach, ein Fuchs kommt!'
sagte der Spielmann, 'nach dem trage ich kein Verlangen.' Der Fuchs kam
zu ihm heran, und sprach 'ei, du lieber Spielmann, was fidelst du so
schn! das mcht ich auch lernen.' 'Das ist bald gelernt,' sprach der
Spielmann, 'du mut nur alles thun, was ich dich heie.' 'O Spielmann,'
antwortete der Fuchs, 'ich will dir gehorchen, wie ein Schler seinem
Meister.' 'Folge mir,' sagte der Spielmann, und als sie ein Stck Wegs
gegangen waren, kamen sie auf einen Fuweg, zu dessen beiden Seiten
hohe Struche standen. Da hielt der Spielmann still, bog von der einen
Seite ein Haselnussbumchen zur Erde herab und trat mit dem Fu auf die
Spitze, dann bog er von der andern Seite noch ein Bumchen herab und
sprach 'wohlan, Fchslein, wenn du etwas lernen willst, so reich mir
deine linke Vorderpfote.' Der Fuchs gehorchte und der Spielmann band
ihm die Pfote an den linken Stamm. 'Fchslein,' sprach er, 'nun reich
mir die rechte:' die band er ihm an den rechten Stamm. Und als er
nachgesehen hatte, ob die Knoten der Stricke auch fest genug waren, lie
er los, und die Bumchen fuhren in die Hhe und schnellten das Fchslein
hinauf da es in der Luft schwebte und zappelte. 'Warte da so lange bis
ich wiederkomme,' sagte der Spielmann und gieng seines Weges.

Wiederum sprach er zu sich 'Zeit und Weile wird mir hier im Walde lang;
ich will einen andern Gesellen herbei holen,' nahm seine Geige, und der
Klang erschallte durch den Wald. Da kam ein Hschen daher gesprungen.
'Ach, ein Hase kommt!' sagte der Spielmann, 'den wollte ich nicht
haben.' 'Ei, du lieber Spielmann,' sagte das Hschen, 'was fidelst du so
schn, das mchte ich auch lernen.' 'Das ist bald gelernt,' sprach der
Spielmann, 'du mut nur alles thun was ich dich heie.' 'O Spielmann,'
antwortete das Hslein, 'ich will dir gehorchen wie ein Schler seinem
Meister.' Sie giengen ein Stck Wegs zusammen, bis sie zu einer lichten
Stelle im Wald kamen, wo ein Espenbaum stand. Der Spielmann band dem
Hschen einen langen Bindfaden um den Hals, wovon er das andere Ende an
den Baum knpfte. 'Munter, Hschen, jetzt spring mir zwanzigmal um den

Baum herum,' rief der Spielmann, und das Hschen gehorchte, und wie es
zwanzigmal herumgelaufen war, so hatte sich der Bindfaden zwanzigmal um
den Stamm gewickelt, und das Hschen war gefangen, und es mochte ziehen
und zerren wie es wollte, es schnitt sich nur den Faden in den weichen
Hals. 'Warte da so lange bis ich wiederkomme,' sprach der Spielmann und
gieng weiter.

Der Wolf indessen hatte gerckt, gezogen, an dem Stein gebissen, und
so lange gearbeitet, bis er die Pfoten frei gemacht und wieder aus der
Spalte gezogen hatte. Voll Zorn und Wuth eilte er hinter dem Spielmann
her, und wollte ihn zerreien. Als ihn der Fuchs laufen sah, fieng er
an zu jammern, und schrie aus Leibeskrften 'Bruder Wolf, komm mir zur
Hilfe, der Spielmann hat mich betrogen.' Der Wolf zog die Bumchen
herab, bi die Schnre entzwei und machte den Fuchs frei, der mit ihm
gieng und an dem Spielmann Rache nehmen wollte. Sie fanden das gebundene
Hschen, das sie ebenfalls erlsten, und dann suchten alle zusammen
ihren Feind auf.

Der Spielmann hatte auf seinem Weg abermals seine Fidel erklingen
lassen, und diesmal war er glcklicher gewesen. Die Tne drangen zu den
Ohren eines armen Holzhauers, der alsbald, er mochte wollen oder nicht,
von der Arbeit ablie, und mit dem Beil unter dem Arme heran kam die
Musik zu hren. 'Endlich kommt doch der rechte Geselle,' sagte der
Spielmann, 'denn einen Menschen suchte ich und keine wilden Thiere.'
Und fieng an und spielte so schn und lieblich, da der arme Mann wie
bezaubert da stand, und ihm das Herz vor Freude aufgieng. Und wie er so
stand, kamen der Wolf, der Fuchs und das Hslein heran, und er merkte
wohl da sie etwas Bses im Schilde fhrten. Da erhob er seine blinkende
Axt und stellte sich vor den Spielmann, als wollte er sagen 'wer an ihn
will, der hte sich, der hat es mit mir zu thun.' Da ward den Thieren
angst und liefen in den Wald zurck, der Spielmann aber spielte dem
Manne noch eins zum Dank und zog dann weiter.




[End of Der wunderliche Spielmann, by the Brothers Grimm]

[Fin de Der wunderliche Spielmann, par les frres Grimm]
