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Title: Hnsel und Grethel
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 28 April 2012
Date last updated: 28 April 2012
Project Gutenberg Canada ebook #940

This ebook was produced by
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Titre: Hnsel und Grethel
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   28 avril 2012
Date de la dernire mise  jour:
   28 avril 2012
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 940

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15.

Hnsel und Grethel.


Vor einem groen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und
seinen zwei Kindern; das Bbchen hie Hnsel und da Mdchen Grethel. Er
hatte wenig zu beien und zu brechen, und einmal, als groe Theuerung
ins Land kam, konnte er auch das tglich Brot nicht mehr schaffen. Wie
er sich nun Abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herum
wlzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau 'was soll aus uns werden?
wie knnen wir unsere armen Kinder ernhren, da wir fr uns selbst
nichts mehr haben?' 'Weit du was, Mann,' antwortete die Frau, 'wir
wollen Morgen in aller Frhe die Kinder hinaus in den Wald fhren, wo er
am dicksten ist: da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch
ein Stckchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie
allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus und wir sind sie los.'
'Nein, Frau,' sagte der Mann, 'das thue ich nicht; wie sollt ichs bers
Herz bringen meine Kinder im Walde allein zu lassen, die wilden Thiere
wrden bald kommen und sie zerreien.' 'O du Narr,' sagte sie, 'dann
mssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter fr die
Srge hobelen,' und lie ihm keine Ruhe bis er einwilligte. 'Aber die
armen Kinder dauern mich doch' sagte der Mann.

Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen knnen und
hatten gehrt was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Grethel weinte
bittere Thrnen und sprach zu Hnsel 'nun ists um uns geschehen.' 'Still,
Grethel,' sprach Hnsel, 'grme dich nicht, ich will uns schon helfen.'
Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Rcklein
an, machte die Unterthre auf und schlich sich hinaus. Da schien der
Mond ganz helle, und die weien Kieselsteine, die vor dem Haus lagen,
glnzten wie lauter Batzen. Hnsel bckte sich und steckte so viel in
sein Rocktschlein, als nur hinein wollten. Dann gieng er wieder zurck,
sprach zu Grethel 'sei getrost, liebes Schwesterchen und schlaf nur
ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen,' und legte sich wieder in sein
Bett.

Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, kam schon
die Frau und weckte die beiden Kinder, 'steht auf, ihr Faullenzer,
wir wollen in den Wald gehen und Holz holen.' Dann gab sie jedem ein
Stckchen Brot und sprach 'da habt ihr etwas fr den Mittag, aber ets
nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts.' Grethel nahm das Brot unter
die Schrze, weil Hnsel die Steine in der Tasche hatte. Danach machten
sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald. Als sie ein Weilchen
gegangen waren, stand Hnsel still und guckte nach dem Haus zurck und
that das wieder und immer wieder. Der Vater sprach 'Hnsel, was guckst
du da und bleibst zurck, hab Acht und vergi deine Beine nicht.' 'Ach,
Vater,' sagte Hnsel, 'ich sehe nach meinem weien Ktzchen, das sitzt
oben auf dem Dach und will mir Ade sagen.' Die Frau sprach 'Narr,
das ist dein Ktzchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den
Schornstein scheint.' Hnsel aber hatte nicht nach dem Ktzchen gesehen,
sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf
den Weg geworfen.

Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater 'nun sammelt
Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.'
Hnsel und Grethel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das
Reisig ward angezndet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die
Frau 'nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder und ruht euch aus, wir gehen
in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und
holen euch ab.'

Hnsel und Grethel saen am Feuer, und als der Mittag kam, a jedes sein
Stcklein Brot. Und weil sie die Schlge der Holzaxt hrten, so glaubten
sie ihr Vater wre in der Nhe. Es war aber nicht die Holzaxt, es war
ein Ast, den er an einen drren Baum gebunden hatte und den der Wind hin
und her schlug. Und als sie so lange gesessen hatten, fielen ihnen die
Augen vor Mdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich
erwachten, war es schon finstere Nacht. Grethel fieng an zu weinen und
sprach 'wie sollen wir nun aus dem Wald kommen!' Hnsel aber trstete
sie, 'wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen
wir den Weg schon finden.' Und als der volle Mond aufgestiegen war, so
nahm Hnsel sein Schwesterchen an der Hand und gieng den Kieselsteinen
nach, die schimmerten wie neu geschlagene Batzen und zeigten ihnen den
Weg. Sie giengen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag
wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die Thr, und als die Frau
aufmachte und sah da es Hnsel und Grethel war, sprach sie 'ihr bsen
Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt
ihr wolltet gar nicht wieder kommen.' Der Vater aber freute sich, denn
es war ihm zu Herzen gegangen da er sie so allein zurck gelassen
hatte.

Nicht lange danach war wieder Noth in allen Ecken, und die Kinder hrten
wie die Mutter Nachts im Bette zu dem Vater sprach 'alles ist wieder
aufgezehrt, wir haben noch einen halben Laib Brot, hernach hat das Lied
ein Ende. Die Kinder mssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald
hineinfhren, damit sie den Weg nicht wieder heraus finden; es ist sonst
keine Rettung fr uns.' Dem Mann fiels schwer aufs Herz und er dachte
'es wre besser, da du den letzten Bissen mit deinen Kindern theiltest.'
Aber die Frau hrte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte
ihm Vorwrfe. Wer A sagt mu auch B sagen, und weil er das erste Mal
nachgegeben hatte, so mute er es auch zum zweiten Mal.

Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das Gesprch mit
angehrt. Als die Alten schliefen, stand Hnsel wieder auf, wollte
hinaus und Kieselsteine auflesen, wie das vorigemal, aber die Frau hatte
die Thr verschlossen, und Hnsel konnte nicht heraus. Aber er trstete
sein Schwesterchen und sprach 'weine nicht, Grethel, und schlaf nur
ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen.'

Am frhen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette.
Sie erhielten ihr Stckchen Brot, das war aber noch kleiner als das
vorigemal. Auf dem Wege nach dem Wald brckelte es Hnsel in der Tasche,
stand oft still und warf ein Brcklein auf die Erde. 'Hnsel, was stehst
du und guckst dich um,' sagte der Vater, 'geh deiner Wege.' 'Ich sehe
nach meinem Tubchen, das sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen,'
antwortete Hnsel. 'Narr,' sagte die Frau, 'das ist dein Tubchen nicht,
das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint.' Hnsel
aber warf nach und nach alle Brcklein auf den Weg.

Die Frau fhrte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag
noch nicht gewesen waren. Da ward wieder ein groes Feuer angemacht,
und die Mutter sagte 'bleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr
mde seid, knnt ihr ein wenig schlafen: wir gehen in den Wald und hauen
Holz, und Abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab.'
Als es Mittag war, theilte Grethel ihr Brot mit Hnsel, der sein Stck
auf den Weg gestreut hatte. Dann schliefen sie ein, und der Abend
vergieng, aber niemand kam zu den armen Kindern. Sie erwachten erst
in der finstern Nacht, und Hnsel trstete sein Schwesterchen und
sagte, 'wart nur, Grethel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die
Brotbrcklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg
nach Haus.' Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein
Brcklein mehr, denn die viel tausend Vgel, die im Walde und im Felde
umher fliegen, die hatten sie weggepickt. Hnsel sagte zu Grethel 'wir
werden den Weg schon finden,' aber sie fanden ihn nicht. Sie giengen die
ganze Nacht und noch einen Tag von Morgen bis Abend, aber sie kamen aus
dem Wald nicht heraus, und waren so hungrig, denn sie hatten nichts als
die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so mde waren
da die Beine sie nicht mehr tragen wollten, so legten sie sich unter
einen Baum und schliefen ein.

Nun wars schon der dritte Morgen, da sie ihres Vaters Haus verlassen
hatten. Sie fiengen wieder an zu gehen, aber sie geriethen immer tiefer
in den Wald und wenn nicht bald Hilfe kam, so muten sie verschmachten.
Als es Mittag war, sahen sie ein schnes schneeweies Vglein auf einem
Ast sitzen, das sang so schn, da sie stehen blieben und ihm zuhrten.
Und als es fertig war, schwang es seine Flgel und flog vor ihnen her,
und sie giengen ihm nach, bis sie zu einem Huschen gelangten, auf
dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nah heran kamen, so sahen
sie da das Huslein aus Brot gebaut war, und mit Kuchen gedeckt; aber
die Fenster waren von hellem Zucker. 'Da wollen wir uns dran machen,'
sprach Hnsel, 'und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein Stck
vom Dach essen, Grethel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt s.'
Hnsel reichte in die Hhe und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu
versuchen wie es schmeckte, und Grethel stellte sich an die Scheiben
und knuperte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus

 'knuper, knuper, kneischen,
 wer knupert an meinem Huschen?'

die Kinder antworteten

 'der Wind, der Wind,
 das himmlische Kind,'

und aen weiter, ohne sich irre machen zu lassen. Hnsel, dem das Dach
sehr gut schmeckte, ri sich ein groes Stck davon herunter, und
Grethel stie eine ganze runde Fensterscheibe heraus, setzte sich
nieder, und that sich wohl damit. Da gieng auf einmal die Thre auf,
und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krcke sttzte, kam heraus
geschlichen. Hnsel und Grethel erschracken so gewaltig, da sie fallen
lieen was sie in den Hnden hielten. Die Alte aber wackelte mit dem
Kopfe und sprach 'ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht?
kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.' Sie
fate beide an der Hand und fhrte sie in ihr Huschen. Da ward gutes
Essen aufgetragen, Milch und Pfannekuchen mit Zucker, pfel und Nsse.
Hernach wurden zwei schne Bettlein wei gedeckt, und Hnsel und Grethel
legten sich hinein und meinten sie wren im Himmel.

Die Alte hatte sich nur so freundlich angestellt, sie war aber eine
bse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothuslein blo
gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte
sie es todt, kochte es und a es, und das war ihr ein Festtag. Die Hexen
haben rothe Augen und knnen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine
Witterung, wie die Thiere, und merkens wenn Menschen heran kommen. Als
Hnsel und Grethel in ihre Nhe kamen, da lachte sie boshaft und sprach
hhnisch 'die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen.' Frh
Morgens ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie
beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen rothen Backen, so murmelte
sie vor sich hin 'das wird ein guter Bissen werden.' Da packte sie
Hnsel mit ihrer drren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und
sperrte ihn mit einer Gitterthre ein; er mochte schreien wie er wollte,
es half ihm nichts. Dann gieng sie zur Grethel, rttelte sie wach und
rief 'steh auf, Faullenzerin, trag Wasser und koch deinem Bruder etwas
gutes, der sitzt drauen im Stall und soll fett werden. Wenn er fett
ist, so will ich ihn essen.' Grethel fieng an bitterlich zu weinen, aber
es war alles vergeblich, sie mute thun was die bse Hexe verlangte.

Nun ward dem armen Hnsel das beste Essen gekocht, aber Grethel bekam
nichts als Krebsschalen. Jeden Morgen schlich die Alte zu dem Stllchen
und rief 'Hnsel, streck deine Finger heraus, damit ich fhle ob du bald
fett bist.' Hnsel streckte ihr aber ein Knchlein heraus, und die Alte,
die trbe Augen hatte, konnte es nicht sehen, und meinte es waren Hnsels
Finger, und verwunderte sich da er gar nicht fett werden wollte. Als
vier Wochen herum waren und Hnsel immer mager blieb, da bernahm sie
die Ungeduld, und sie wollte nicht lnger warten. 'Heda, Grethel,' rief
sie dem Mdchen zu, 'sei flink und trag Wasser: Hnsel mag fett oder
mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen.' Ach, wie jammerte
das arme Schwesterchen, als es das Wasser tragen mute, und wie flossen
ihm die Thrnen ber die Backen herunter! 'Lieber Gott, hilf uns doch,'
rief sie aus, 'htten uns nur die wilden Thiere im Wald gefressen, so
wren wir doch zusammen gestorben.' 'Spar nur dein Geblrre,' sagte die
Alte, 'es hilft dir alles nichts.'

Frh Morgens mute Grethel heraus, den Kessel mit Wasser aufhngen und
Feuer anznden. 'Erst wollen wir backen' sagte die Alte, 'ich habe den
Backofen schon eingeheizt und den Teig gekntet.' Sie stie das arme
Grethel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon heraus
schlugen. 'Kriech hinein,' sagte die Hexe, 'und sieh zu ob recht
eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben knnen.' Und wenn
Grethel darin war, wollte sie den Ofen zumachen, und Grethel sollte
darin braten, und dann wollte sies auch aufessen. Aber Grethel merkte
was sie im Sinn hatte und sprach 'ich wei nicht wie ichs machen soll;
wie komm ich da hinein?' 'Dumme Gans,' sagte die Alte, 'die ffnung ist
gro genug, siehst du wohl, ich knnte selbst hinein,' krappelte heran
und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Grethel einen Sto da
sie weit hinein fuhr, machte die eiserne Thr zu und schob den Riegel
vor. Hu! da fieng sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Grethel lief
fort, und die gottlose Hexe mute elendiglich verbrennen.

Grethel aber lief schnurstracks zum Hnsel, ffnete sein Stllchen und
rief 'Hnsel, wir sind erlst, die alte Hexe ist todt.' Da sprang Hnsel
heraus, wie ein Vogel aus dem Kfig, wenn ihm die Thre aufgemacht
wird. Wie haben sie sich gefreut, sind sich um den Hals gefallen, sind
herumgesprungen und haben sich gekt! Und weil sie sich nicht mehr
zu frchten brauchten, so giengen sie in das Haus der Hexe hinein, da
standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. 'Die sind noch
besser als Kieselsteine' sagte Hnsel und steckte in seine Taschen was
hinein wollte, und Grethel sagte 'ich will auch etwas mit nach Haus
bringen' und fllte sich sein Schrzchen voll. 'Aber jetzt wollen wir
fort,' sagte Hnsel, 'damit wir aus dem Hexenwald herauskommen.' Als
sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein groes
Wasser. 'Wir knnen nicht hinber,' sprach Hnsel, 'ich sehe keinen
Steg und keine Brcke.' 'Hier fhrt auch kein Schiffchen,' antwortete
Grethel, 'aber da schwimmt eine weie Ente, wenn ich die bitte, so hilft
sie uns hinber.' Da rief sie

 'Entchen, Entchen,
 da steht Grethel und Hnsel.
 Kein Steg und keine Brcke,
 nimm uns auf deinen weien Rcken.'

Das Entchen kam auch heran, und Hnsel setzte sich auf und bat sein
Schwesterchen sich zu ihm zu setzen. 'Nein,' antwortete Grethel, 'es
wird dem Entchen zu schwer, es soll uns nach einander hinber bringen.'
Das that das gute Thierchen, und als sie glcklich drben waren und ein
Weilchen fortgiengen, da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer
bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus.
Da fiengen sie an zu laufen, strzten in die Stube hinein und fielen
ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt,
seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte, die Frau aber war
gestorben. Grethel schttete sein Schrzchen aus da die Perlen und
Edelsteine in der Stube herumsprangen, und Hnsel warf eine Handvoll
nach der andern aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein Ende,
und sie lebten in lauter Freude zusammen. Mein Mrchen ist aus, dort
lauft eine Maus, wer sie fngt, darf sich eine groe groe Pelzkappe
daraus machen.




ZUR BEACHTUNG


Am Text wurden drei nderungen vorgenommen, die unten aufgefhrt sind;
die genderte Fassung folgt jeweils auf das Original.

  (...) wer knupert am meinem Huschen?
    (...) wer knupert an meinem Huschen?

  'Heda, Grethel,' rief sie den Mdchen zu (...)
    'Heda, Grethel,' rief sie dem Mdchen zu (...)

  (...) damit wir das Brot hineinschieen knnen.
    (...)
damit wir das Brot hineinschieben knnen.




[End of Hnsel und Grethel, by the Brothers Grimm]

[Fin de Hnsel und Grethel, par les frres Grimm]
