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Title: Die drei Schlangenbltter
Author: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Author: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date of first publication: 1812 [original version]
Edition used as base for this ebook:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date first posted: 11 May 2012
Date last updated: 11 May 2012
Project Gutenberg Canada ebook #944

This ebook was produced by
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Titre: Die drei Schlangenbltter
Auteur: Grimm, Jacob Ludwig Carl (1785-1863)
Auteur: Grimm, Wilhelm Carl (1786-1859)
Date de la premire publication: 1812 [version originale]
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Gttingen: Verlag der Dieterichschen Buchhandlung, 1857
   [Kinder und Hausmrchen gesammelt durch die Brder Grimm.
   Erster Band. Groe Ausgabe. Siebente Auflage.]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   11 mai 2012
Date de la dernire mise  jour:
   11 mai 2012
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 944

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16.

Die drei Schlangenbltter.


Es war einmal ein armer Mann, der konnte seinen einzigen Sohn nicht mehr
ernhren. Da sprach der Sohn 'lieber Vater, es geht euch so kmmerlich,
ich falle euch zur Last, lieber will ich selbst fortgehen und sehen wie
ich mein Brot verdiene.' Da gab ihm der Vater seinen Segen und nahm mit
groer Trauer von ihm Abschied. Zu dieser Zeit fhrte der Knig eines
mchtigen Reichs Krieg, der Jngling nahm Dienste bei ihm und zog mit
ins Feld. Und als er vor den Feind kam, so ward eine Schlacht geliefert,
und es war groe Gefahr, und regnete blaue Bohnen, da seine Kameraden
von allen Seiten niederfielen. Und als auch der Anfhrer blieb, so
wollten die brigen die Flucht ergreifen, aber der Jngling trat heraus,
sprach ihnen Muth zu und rief 'wir wollen unser Vaterland nicht zu
Grunde gehen lassen.' Da folgten ihm die andern, und er drang ein und
schlug den Feind. Der Knig, als er hrte da er ihm allein den Sieg zu
danken habe, erhob ihn ber alle andern, gab ihm groe Schtze und
machte ihn zum ersten in seinem Reich.

Der Knig hatte eine Tochter, die war sehr schn, aber sie war auch sehr
wunderlich. Sie hatte das Gelbde gethan, keinen zum Herrn und Gemahl zu
nehmen, der nicht versprche, wenn sie zuerst strbe, sich lebendig mit
ihr begraben zu lassen. 'Hat er mich von Herzen lieb,' sagte sie, 'wozu
dient ihm dann noch das Leben?' Dagegen wollte sie ein Gleiches thun,
und wenn er zuerst strbe, mit ihm in das Grab steigen. Dieses seltsame
Gelbde hatte bis jetzt alle Freier abgeschreckt, aber der Jngling
wurde von ihrer Schnheit so eingenommen, da er auf nichts achtete,
sondern bei ihrem Vater um sie anhielt. 'Weit du auch,' sprach der
Knig, 'was du versprechen mut?' 'Ich mu mit ihr in das Grab gehen,'
antwortete er, 'wenn ich sie berlebe, aber meine Liebe ist so gro, da
ich der Gefahr nicht achte.' Da willigte der Knig ein, und die Hochzeit
ward mit groer Pracht gefeiert.

Nun lebten sie eine Zeitlang glcklich und vergngt mit einander, da
geschah es, da die junge Knigin in eine schwere Krankheit fiel, und
kein Arzt ihr helfen konnte. Und als sie todt da lag, da erinnerte sich
der junge Knig was er hatte versprechen mssen, und es grauste ihm
davor, sich lebendig in das Grab zu legen, aber es war kein Ausweg: der
Knig hatte alle Thore mit Wachen besetzen lassen, und es war nicht
mglich dem Schicksal zu entgehen. Als der Tag kam, wo die Leiche in das
knigliche Gewlbe beigesetzt wurde, da ward er mit hinabgefhrt, und
dann das Thor verriegelt und verschlossen.

Neben dem Sarg stand ein Tisch, darauf vier Lichter, vier Laibe Brot
und vier Flaschen Wein. Sobald dieser Vorrath zu Ende gieng, mute er
verschmachten. Nun sa er da voll Schmerz und Trauer, a jeden Tag nur
ein Bilein Brot, trank nur einen Schluck Wein, und sah doch wie der Tod
immer nher rckte. Indem er so vor sich hinstarrte, sah er aus der Ecke
des Gewlbes eine Schlange hervor kriechen, die sich der Leiche nherte.
Und weil er dachte sie kme um daran zu nagen, zog er sein Schwert und
sprach 'so lange ich lebe sollst du sie nicht anrhren,' und hieb sie in
drei Stcke. ber ein Weilchen kroch eine zweite Schlange aus der Ecke
hervor, als sie aber die andere todt und zerstckt liegen sah, gieng
sie zurck, kam bald wieder und hatte drei grne Bltter im Munde. Dann
nahm sie die drei Stcke von der Schlange, legte sie, wie sie zusammen
gehrten, und that auf jede Wunde eins von den Blttern. Alsbald fgte
sich das Getrennte an einander, die Schlange regte sich und ward wieder
lebendig, und beide eilten mit einander fort. Die Bltter blieben auf
der Erde liegen, und dem Unglcklichen, der alles mit angesehen hatte,
kam es in die Gedanken, ob nicht die wunderbare Kraft der Bltter,
welche die Schlange wieder lebendig gemacht hatte, auch einem Menschen
helfen knnte. Er hob also die Bltter auf und legte eins davon auf
den Mund der Todten, die beiden andern auf ihre Augen. Und kaum war es
geschehen, so bewegte sich das Blut in den Adern, stieg in das bleiche
Angesicht und rthete es wieder. Da zog sie Athem, schlug die Augen
auf und sprach 'ach, Gott, wo bin ich?' 'Du bist bei mir, liebe Frau,'
antwortete er, und erzhlte ihr wie alles gekommen war und er sie wieder
ins Leben erweckt hatte. Dann reichte er ihr etwas Wein und Brot, und
als sie wieder zu Krften gekommen war, erhob sie sich, und sie giengen
zu der Thre, und klopften und riefen so laut da es die Wachen hrten
und dem Knig meldeten. Der Knig kam selbst herab und ffnete die
Thre, da fand er beide frisch und gesund, und freute sich mit ihnen
da nun alle Noth berstanden war. Die drei Schlangenbltter aber nahm
der junge Knig mit, gab sie einem Diener und sprach 'verwahr sie mir
sorgfltig, und trag sie zu jeder Zeit bei dir, wer wei in welcher Noth
sie uns noch helfen knnen.'

Es war aber in der Frau, nachdem sie wieder ins Leben war erweckt
worden, eine Vernderung vorgegangen: es war als ob alle Liebe zu ihrem
Manne aus ihrem Herzen gewichen wre. Als er nach einiger Zeit eine
Fahrt zu seinem alten Vater ber das Meer machen wollte und sie auf ein
Schiff gestiegen waren, so verga sie die groe Liebe und Treue, die er
ihr bewiesen und womit er sie vom Tode gerettet hatte, und fate eine
bse Neigung zu dem Schiffer. Und als der junge Knig einmal da lag und
schlief, rief sie den Schiffer herbei, und fate den schlafenden am
Kopfe, und der Schiffer mute ihn an den Fen fassen, und so warfen sie
ihn hinab ins Meer. Als die Schandthat vollbracht war, sprach sie zu ihm
'nun la uns heimkehren und sagen er sei unterwegs gestorben. Ich will
dich schon bei meinem Vater so herausstreichen und rhmen, da er mich
mit dir vermhlt und dich zum Erben seiner Krone einsetzt.' Aber der
treue Diener, der alles mit angesehen hatte, machte unbemerkt ein
kleines Schifflein von dem groen los, setzte sich hinein, schiffte
seinem Herrn nach, und lie die Verrther fortfahren. Er fischte den
Todten wieder auf, und mit Hilfe der drei Schlangenbltter, die er
bei sich trug, und auf die Augen und den Mund legte, brachte er ihn
glcklich wieder ins Leben.

Sie ruderten beide aus allen Krften Tag und Nacht, und ihr kleines
Schiff flog so schnell dahin da sie frher als das andere bei dem
alten Knige anlangten. Er verwunderte sich als er sie allein kommen
sah und fragte was ihnen begegnet wre. Als er die Bosheit seiner
Tochter vernahm, sprach er 'ich kanns nicht glauben, da sie so schlecht
gehandelt hat, aber die Wahrheit wird bald an den Tag kommen,' und hie
beide in eine verborgene Kammer gehen und sich vor jedermann heimlich
halten. Bald hernach kam das groe Schiff herangefahren, und die
gottlose Frau erschien vor ihrem Vater mit einer betrbten Miene. Er
sprach 'warum kehrst du allein zurck? wo ist dein Mann?' 'Ach, lieber
Vater,' antwortete sie, 'ich komme in groer Trauer wieder heim, mein
Mann ist whrend der Fahrt pltzlich erkrankt und gestorben, und wenn
der gute Schiffer mir nicht Beistand geleistet htte, so wre es mir
schlimm ergangen; er ist bei seinem Tode zugegen gewesen und kann euch
alles erzhlen.' Der Knig sprach 'ich will den Todten wieder lebendig
machen' und ffnete die Kammer, und hie die beiden heraus gehen. Die
Frau, als sie ihren Mann erblickte, war wie vom Donner gerhrt, sank
auf die Knie und bat um Gnade. Der Knig sprach 'da ist keine Gnade, er
war bereit mit dir zu sterben und hat dir dein Leben wieder gegeben, du
aber hast ihn im Schlaf umgebracht, und sollst deinen verdienten Lohn
empfangen.' Da ward sie mit ihrem Helfershelfer in ein durchlchertes
Schiff gesetzt und hinaus ins Meer getrieben, wo sie bald in den Wellen
versanken.




[End of Die drei Schlangenbltter, by the Brothers Grimm]

[Fin de Die drei Schlangenbltter, par les frres Grimm]
