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Title: Der Teufel im Warenhaus
Author: Heine, Thomas Theodor (1867-1948)
Date of first publication: 1935
Edition used as base for this ebook:
   Amsterdam: Querido Verlag, 1935
   [Die Mrchen von Th. Th. Heine]
Date first posted: 26 August 2010
Date last updated: 26 August 2010
Project Gutenberg Canada ebook #602

This ebook was produced by: Dr. Mark Bear Akrigg


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Titre: Der Teufel im Warenhaus
Auteur: Heine, Thomas Theodor (1867-1948)
Date de la premire publication: 1935
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Amsterdam: Querido Verlag, 1935
   [Die Mrchen von Th. Th. Heine]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   26 aot 2010
Date de la dernire mise  jour:
   26 aot 2010
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 602

Ce livre lectronique a t cr par: Dr. Mark Bear Akrigg




I

DER TEUFEL IM WARENHAUS


Herrn Siegfried Hagens Gemischtwarenhandlung stand vor dem
Bankrott. Bis spt in die Nacht hatte Herr Hagen Inventur
gemacht. Nun war er hinter seinen Geschftsbchern erschpft
und verzweifelt zusammengesunken. Er seufzte: Kein Teufel
kann mir mehr helfen. Da hrte er eine flsternde Stimme
hinter sich: Vielleicht doch, Herr Hagen. Erschrocken
sprang er auf und sah sich einem wohlbeleibten, elegant
gekleideten Herrn gegenber, von exotischem, dunkelhutigem
Typus. Auf die Frage, wie er hereingekommen sei, ging der
nchtliche Besucher nicht ein, sondern er verneigte sich
devot und, verbindlich lchelnd, sprach er: Verzeihen Sie
die Strung. Ich garantiere Ihnen nicht nur eine vllige
Sanierung Ihres Geschfts, sondern auch einen unerhrten
Aufschwung. Auf welche Weise? Sehr einfach: ich liefere
Ihnen smtliche Waren in garantiert prima Qualitt ganz
umsonst. Da htte Herr Hagen beinahe gelacht, aber dann
wurde er doch bs und rief: Machen Sie keine Witze, sondern
machen Sie, dass Sie hinauskommen, mglichst schnell!
Einen Moment!, bat der Besucher, hflich grinsend, mein
Angebot ist restlos seris. Allerdings sehen wir uns auch
gentigt, unsere Bedingungen zu stellen: Sie mssen sich
verpflichten, jeden neuen Posten Ware billiger zu verkaufen
als den vorhergehenden. Das knnen Sie ja leicht tun, da Sie
die Ware nichts kostet. Sollten Sie jedoch diese
Verpflichtung nicht einhalten, so tritt Paragraph 13 unseres
Vertrages in Kraft. Ihre Seele, sowie die Ihrer smtlichen
Angestellten geht dann in unser unumschrnktes Eigentum zu
sofortiger Besitzergreifung ber. Sie sind der Teufel!
schrie Hagen entsetzt. Das ist allerdings mein Name. Bitte,
lassen Sie sich aber nicht durch die verleumderischen
Ausstreuungen der Konkurrenz davon abhalten, unser wirklich
einzig dastehendes Angebot zu akzeptieren. Er entnahm
seiner Aktentasche zwei auf Pergament gedruckte,
gleichlautende Vertragsentwrfe, sowie eine
Injektionsspritze und eine Fllfeder.

[Zeichnung]

Darf ich Ihren geschtzten Adern ein wenig Blut entnehmen?
-- So -- danke verbindlichst -- ich wusste ja, dass Sie ein
gewiegter Geschftsmann sind. Mit dem Blut, das er Herrn
Hagens Arm entnommen hatte, fllte er die Feder und reichte
sie ihm zur Unterzeichnung der Urkunde. Herr Hagen, wie im
Traum, unterschrieb. Und jetzt bitte, mir nur anzugeben,
was wir Ihnen liefern sollen. Aber Hagen schttelte den
Kopf: Ich brauche nichts, es war ja fast kein Umsatz mehr.

All right, sagte der Herr Teufel, setzen Sie Ihre Preise
so nie dagewesen herunter, dass die Ware reissend abgeht.
Wir werden Ihre Lager stets automatisch wieder auffllen.
Bei erhhtem Bedarf oder Neuaufnahmen bitte ich, diese
Bestellzettel unserer Firma auszufllen und sie uns
zuzustellen, indem Sie dieselben in der Feuerung
verbrennen. Ein leichter Schwefelgeruch verbreitete sich,
und der Besucher war verschwunden.

Noch ganz benommen verschloss Herr Hagen den Vertrag im
Kassenschrank. Dann brummte er: So ein Schwindel! Aber
jetzt ist schon alles gleich. In dieser Nacht schlief er
seit langem wieder gut.

Am anderen Morgen wurden alle Preisauszeichnungen halbiert.
Riesige Schaufensterplakate verkndeten: Infolge gnstiger
Abschlsse bin ich in der Lage _staunend anormal_ billig zu
verkaufen.

[Zeichnung]

Und es ging. Zuerst war der Kaffee bis auf die letzte Bohne
gerumt, dann der Zucker, dann die Bstenhalter, die
Schmierseife, die Sardinen -- und so ging es weiter. Mit
einigem Herzklopfen fllte Hagen die Bestellzettel aus und
verheizte sie. Richtig, am nchsten Morgen war die neue Ware
da, immer. Die Kunden fluteten herein, sie mussten in
Schlangen anstehn. Alle anderen Lden blieben leer, erst in
der Nachbarschaft, dann im ganzen Stdtchen. Das Geld staute
sich in den Kassen und musste in Badewannen zur Bank
gebracht werden. Nach vierzehn Tagen war das ganze Lager
vollstndig umgesetzt und erneuert.

[Zeichnung]

Getreu dem Vertrage wurde die neue Ware immer ein wenig
billiger verkauft. Zuerst durchschnittlich um ein Prozent,
dann um ein halbes, schliesslich nur um ein Promille. Blos
schwer verkufliche Gegenstnde, wie Majolikavasen und
Spucknpfe, wurden mit zehn Prozent Ermssigung des
halbierten Preises abgegeben.

Bald war der Laden zu klein geworden. Das grosse Hagensche
Warenhaus wurde projektiert, gebaut und bar bezahlt.

Vergeblich hatten die anderen Geschftsleute eine Klage
wegen unlauteren Wettbewerbs angestrengt. Denn keinem
Richter htte es seine Frau verziehen, wenn sie auf ihre
billigen Einkufe htte verzichten mssen. Werden ja sehen,
wie lange er es aushlt, trsteten sich die unglcklichen
Konkurrenten.

[Zeichnung]

Hagen wurde der reichste Mann der Stadt, Vorsitzender der
Handelskammer, Ehrenbrger, Besitzer eines Schlosses,
mehrerer Luxusautos und eines Flugzeuges. Seine Frau, die
immer etwas krnklich war, wurde andauernd von den teuersten
Professoren der Medizin behandelt und operiert. Der Sohn
hatte einen Golfklub ins Leben gerufen und eine Stiftung fr
minderbemittelte Bridgespieler. Eine Tochter bekam ein Kind
von einem Angehrigen eines vormals regierenden Hauses, die
andere war mit einem Hochstapler verlobt. So lebten Hagens
ppig und in Freuden.

Im Warenhaus wurde billiger und billiger verkauft, der
Umsatz stieg noch tglich. Achthundertsechzig Angestellte
waren beschftigt. Schon waren viele Preise fast auf Null
gesunken, und es wurde in Betracht gezogen, ob man nicht bei
einzelnen Waren den Kufern noch Geld herauszahlen knnte.

Da wurde Herrn Hagen ngstlich zu Mute. Wieder hatte er
schlaflose Nchte und sah schlecht aus.

Endlich vertraute er sich einem Advokaten an und klrte ihn
ber die Grundlage seines Reichtums auf. Lange berieten sie
hinter verschlossenen Tren. Dann wurde Hagen wieder heiter
und blhte wieder auf.

Die ganze Stadt war in Aufregung: Zum ersten Mal seit
Bestehen des Warenhauses wurden alle Preise erhht, wenn
auch nur um ein Geringes. Doch hiess es in den
Ankndigungen, weitere Preissteigerungen wrden bald folgen,
man solle seinen Bedarf decken.

Am Nachmittag liess sich ein Besucher bei Herrn Hagen im
Bro melden, wollte nicht warten und betrat es ohne
anzuklopfen. Hagen, zuerst emprt, lachte dann und sagte:
Ah, Sie sind es, Herr Teufel! Bitte, legen Sie ab. Der
Besucher legte nicht nur seinen Mantel ab, sondern alles,
Anzug, Hemd und Schuhe. Nun stand er da als der Teufel in
seiner ganzen Furchtbarkeit. Womit kann ich dienen? fragte
Herr Hagen. Bedaure, war die Antwort, konstatieren zu
mssen, dass Sie den Vertrag gebrochen haben. Dann
brllend: Deine Seele gehrt uns, wie die deiner
Angestellten. Damit streckte er die riesigen Hnde nach
Hagen aus und wollte ihn packen. Halt! rief der, oder ich
telephoniere dem berfallkommando. Wieso? fragte der
Teufel. Da lachte Hagen: Unsinn! Ich habe den Vertrag bis
zuletzt restlos erfllt. Vor vierzehn Tagen bin ich aus der
Firma ausgeschieden. Sie gehrt jetzt meiner Frau. Wir haben
Gtertrennung. Sie knnen sie ja fragen, ob sie auch einen
Vertrag mit Ihnen machen will.

[Zeichnung]

Da sah der Teufel, dass er geprellt war, nahm seine Kleider
und verliess mit einem frchterlichen Fluch unter starker
Absonderung von Schwefeldmpfen das Warenhaus.

[Zeichnung]

Herr und Frau Hagen aber zogen sich bald vom Geschft zurck
und leben weiter in ihrem Schloss als die reichsten Brger
der Stadt, wenn sie nicht inzwischen gestorben und in den
Himmel gekommen sind.

[Zeichnung]




KORREKTUR:

Erschrokken sprang er auf und sah sich einem wohlbeleibten,
elegant gekleideten Herrn gegenber

=>

Erschrocken sprang er auf und sah sich einem wohlbeleibten,
elegant gekleideten Herrn gegenber




[End of _Der Teufel im Warenhaus_ by Th. Th. Heine]

[Fin de _Der Teufel im Warenhaus_ par Th. Th. Heine]
