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Title: Lusi
Author: Heine, Thomas Theodor (1867-1948)
Date of first publication: 1935
Edition used as base for this ebook:
   Amsterdam: Querido Verlag, 1935
   [Die Mrchen von Th. Th. Heine]
Date first posted: 6 September 2010
Date last updated: 6 September 2010
Project Gutenberg Canada ebook #608

This ebook was produced by: Dr. Mark Bear Akrigg

TRANSCRIBER'S NOTE:
This digital edition of the Text of Heine's story
does not include the nine illustrations he drew
to accompany the story.


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Titre: Lusi
Auteur: Heine, Thomas Theodor (1867-1948)
Date de la premire publication: 1935
dition utilise comme modle pour ce livre lectronique:
   Amsterdam: Querido Verlag, 1935
   [Die Mrchen von Th. Th. Heine]
Date de la premire publication sur Project Gutenberg Canada:
   6 septembre 2010
Date de la dernire mise  jour:
   6 septembre 2010
Livre lectronique de Project Gutenberg Canada no 608

Ce livre lectronique a t cr par: Dr. Mark Bear Akrigg

NOTE DU TRANSCRIPTEUR:
Cette dition numrique du Texte du conte de Heine
ne comprend pas les neuf dessins qu'il cra pour
accompagner son histoire.




II

LUSI


Frau Fabrikdirektor Arbogast hatte ein vorzgliches
Dienstmdchen. Sie wurde allgemein darum beneidet. Beim
Kaffeekrnzchen sagte Frau Bankier Herzog zu ihr: Was? und
diese Torte hat sie auch selbst gemacht! Wenn ich so eine
Perle htte wie Ihre Lusi, Frau Direktor, ich weiss nicht,
was ich darum geben wrde. Ja, wir sind recht zufrieden
mit ihr, sie tut jede Arbeit gern, ist geschickt und
fleissig und so bescheiden! Treu wie Gold und ohne
Liebschaften, obgleich sie eine Schnheit ist. Allerdings
hat sie auch ihre Eigenheiten. Zum Beispiel mag sie durchaus
keinen Fisch essen. Und dann hat sie sich ausbedungen, jeden
Freitag nachmittag will sie ganz fr sich haben. Nicht etwa
um auszugehen, nein, da haben wir ihr erlauben mssen, unser
Bad zu bentzen, und sie bringt stundenlang darin zu. Dafr
verzichtet sie ganz auf ihren Sonntagsausgang. Ich glaube,
dass sie irgend einer Sekte angehrt. Wir haben mal eine
gehabt, die war eine Wiedertuferin, sagte Frau Bankier
Herzog, die war auch eine Perle. Wir hatten sie zehn Jahre,
dann bekam sie den religisen Wahnsinn. Seien Sie recht
vorsichtig, Frau Direktor! Wie lange haben Sie denn Ihre
Lusi schon? Seit dem fnften Oktober 1929. Ich weiss das
Datum noch so genau, weil es gerade der Tag war, an dem wir
die Nachricht bekamen, dass unser armer Lothar mit dem
Dampfer untergegangen war, Sie wissen ja, bei der berfahrt
nach Indien, schon im August. Frau Direktor Arbogast
wischte sich einige Trnen ab und fuhr fort: Sie hatte sich
auf meine Annonce gemeldet. In meinem Schmerz vergass ich
ganz, sie um ihre Zeugnisse zu fragen. Sie sagte bloss: 'Ich
heisse Melusine'. 'Melusine, das ist etwas unpassend fr ein
Dienstmdchen, wir wollen Sie Lusi nennen', hab ich gesagt.
Meine Verzweiflung war so gross, dass ich mit allen
Bedingungen einverstanden war, zumal sie blos 20 Mark Lohn
beanspruchte. Nur Ruhe wollte ich haben, um mich
auszuweinen. Und Lusi war so nett zu mir, so besorgt. Sie
versuchte, mich zu trsten. 'Sehen Sie, gndige Frau',
meinte sie, Ihr Sohn ist jetzt in einer glcklicheren Welt.
Er hat gewollt, dass ich zu Ihnen komme und mich um Sie
annehme. Lothar ist eine gute Seele'. Vielleicht ist Lusi
manchmal nicht ganz richtig. Mein Mann wollte sie deshalb
zuerst gar nicht behalten. Sie hat sich auch eine grosse
Photographie meines Lothar geben lassen und hat sie in ihrem
Zimmer aufgehngt. Ja, sie hat ihre Eigenheiten. Und dann,
haben Sie es bemerkt? Diese dicke Perlenkette, die sie immer
trgt. Ich habe ihr gesagt, dass ich es ungehrig finde,
dass ein Dienstbote so auffallenden falschen Schmuck trgt.
Da hat sie mich auf den Knieen gebeten, sie tragen zu
drfen. Ich musste es Ihr erlauben.

Der Arbogastsche Haushalt, von Lusi betreut, ging seinen
wohlgeordneten Gang. Dann kam die grosse Wirtschaftskrise.

Eines Tages sass der Direktor bleich und verstrt beim
Mittagessen und rhrte keine Speise an. Als ihn die Gattin
besorgt fragte, ob er krank sei, brach er vllig zusammen
und berichtete schluchzend, dass sein ganzes Vermgen bei
der Securitas-Bank verloren gegangen war und dass sie nur
mehr auf sein Direktorgehalt angewiesen seien, das aber auch
infolge des Geschftsrckgangs um 50 Prozent gekrzt werden
sollte. In der Aufregung hatten sie nicht beachtet, dass
Lusi jedes Wort hren konnte. Sie merkten es erst, als sie
zu ihnen trat und sprach: Ich mchte der Herrschaft so gern
helfen. Nehmen Sie es mir, bitte, nicht bel, aber verkaufen
Sie das hier! Sie nestelte ihre Perlenkette los und legte
sie auf den Tisch. Da mussten Arbogasts trotz der traurigen
Lage lachen, und ihr Lachen wurde fast krampfhaft und fand
kein Ende. Aber nein, es sind wirkliche Perlen! rief das
Mdchen. Noch halb erstickt vom Lachen antwortete der
Direktor: Ja, wenn die echt wren, das wren mindestens
200000 Mark. Sie sind echt! Bitte, verkaufen Sie sie. Man
glaubte ihr nicht. Aber am Nachmittag gelang es ihr doch,
die gndige Frau zu berreden, dass sie mit der Perlenkette
zu einem Juwelier ging. Der schtzte sie auf 350000 Mark und
bernahm sie kommissionsweise zum Verkauf.

Als Frau Arbogast ihrem Mann den merkwrdigen Fall
berichtete, wurde er sehr bedenklich. Sie berieten hin und
her und kamen endlich zu dem Entschluss, die Sache unter
Diskretion dem Polizeidirektor, mit dem sie befreundet
waren, mitzuteilen. Der versprach, ihnen einen
Kriminalbeamten in Zivil zur Nachforschung zu schicken. Am
nchsten Tag, es war ein Freitag, kam dieser, liess sich
alles erzhlen und notierte die Einzelheiten. Lusi hatte
gerade ihren Badenachmittag. Er durchsuchte ihr Zimmer und
fand in der Kommode ein Kstchen voll seltsamer Muscheln.
Obenauf lag ein Ring, Gold mit einem grnen Halbedelstein,
in den das Arbogastsche Familienwappen eingeschnitten war.
Lothars Ring! rief Frau Arbogast und war einer Ohnmacht
nahe. Hm, Hm, sagte der Kriminalbeamte, wo ist das
Mdchen? Er erfuhr, dass sie im Bade sei und
voraussichtlich noch einige Stunden darin zubringen werde.
Man begab sich dorthin. Er klopfte wiederholt an die Tre.
Nur ein Pltschern war zu hren. Es wurde nicht geffnet.
Das Badezimmer hatte aber auch ein Milchglasfenster,
ziemlich hoch oben, auf den Korridor hinaus. Eine Leiter war
schnell beschafft. Der Beamte stieg hinauf. Bald hatte er
mit einem Glaserdiamanten eine Scheibe herausgeschnitten und
steckte den Kopf durch die ffnung. Arbogasts hrten ihn
rufen: Um Gotteswillen! Was ist denn das? Dann sprang er
mit einem Satz von der Leiter herunter. Blass und zitternd
stand er da. Ich muss sofort den Polizeirat anrufen. Was
haben Sie gesehen? Sehen Sie selbst! Frau Arbogast
kletterte etwas beschwerlich die Leiter hinauf und blickte
ins Badezimmer. Der Direktor konnte sie gerade noch
auffangen, als sie in seine Arme fiel. Schon hrte man
Hupensignale von der Strasse. Das berfallkommando kam.
Schutzleute erschienen in der Wohnung. Die Badezimmertr
wurde aufgesprengt. In der Wanne lag Lusi, selig lchelnd.
Erst als man nher hinzu trat, sah man, was war. Von den
Hften abwrts war ihr Krper ein Fischschwanz, der munter
im Wasser pltscherte. Ihre Kleider lagen auf einem Stuhl.
Neben den Schuhen standen zwei einzelne Frauenbeine, ganz
leer, wie ausgeblasene Eierschalen. Ein unerhrter Fall!
rief der Polizeirat. Was soll das? Wo haben Sie die Perlen
gestohlen, wo den Ring? Den Ring hat mir Lothar Arbogast
gegeben, als ich mich auf dem Grunde des Ozeans mit ihm
vermhlte. Perlen hat jedes bessere Meerweibchen soviel es
will. Wenn wir auf der Erde weilen, tragen wir sie immer bei
uns, sonst verlsst uns das Glck. Und ich habe sie Lothars
Eltern geschenkt: Gross und traurig schauten ihre Augen,
als die Schutzmnner sie aus dem Wasser hoben und trotz dem
zappelnden Fischschwanz in Tcher einhllten. Sie trugen sie
die Treppe hinab. Auf der Strasse angekommen, liess sie
langgedehnte melodische Klagelaute ertnen, entwand sich den
Hnden der Polizei und schwang sich ber das Gelnder des
nahen Flusses. Man sah sie noch wie einen sehr grossen
weissen Fisch unter der Oberflche des Wassers
dahinschiessen. Dann war sie verschwunden und nie hat man
wieder etwas von ihr gehrt.

Durch den Erls der Perlenkette gelangten Direktor Arbogasts
neuerdings zu Wohlstand. In Lusis Zimmer bemerkten sie, dass
Lothars Bild von der Wand gefallen war, und sein Ring war
nicht mehr aufzufinden.




[End of _Lusi_ by Th. Th. Heine]

[Fin de _Lusi_ par Th. Th. Heine]
